Schlagabtausch um Flughafen-Ausbau
Wenige Tage vor dem Bürgerentscheid haben die Landtagsfraktionen über die geplante dritte Startbahn für München diskutiert. CSU, SPD und FDP appellieren an die Münchner am kommenden Sonntag für das Projekt zu stimmen.
Demonstrationen gegen den Bau der dritten Startbahn am Münchner Flughafen gibt es seit langem. Foto: dpa
München. Wenige Tage vor dem Bürgerentscheid über den Münchner Flughafenausbau haben sich die Landtagsfraktionen einen Schlagabtausch über Für und Wider des Milliardenprojekts geliefert – und das abweichend von den üblichen Fronten. CSU, SPD und FDP appellierten bei einer Aktuellen Stunde an die Münchner, für den Ausbau zu stimmen. Grüne und Freie Wähler hielten dagegen.
Finanzminister Markus Söder (CSU) sprach von einer „strategischen Zukunftsentscheidung“. „Ein Nein bedeutet Stillstand“, warnte der frühere CSU-Chef Erwin Huber vor negativen wirtschaftlichen Folgen für ganz Bayern. Ein Ja zur Startbahn sei notwendig, um Bayern wirtschaftlich an der Spitze zu halten. Der Münchner SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann und FDP-Fraktionschef Thomas Hacker nannten die Ausbaupläne ein Projekt von großer Bedeutung weit über München hinaus. „Die Bürgerinnen und Bürger in München treffen eine Entscheidung für ganz Bayern“, sagte Hacker. „Der Flughafen ist unser Tor zur Welt.“
Attaching wird 540 Jets pro Tag erleben
Die Freien Wähler und die Grünen dagegen erinnerten daran, dass der Flughafen in den vergangenen Jahren seine eigenen Passagierprognosen regelmäßig unterschritten habe. „Das ist eine Menschen missachtende Entscheidung“, kritisierte der Freisinger Freie-Wähler-Abgeordnete Manfred Pointner. Die Ortschaft Attaching solle künftig in 60 Meter Höhe von 540 Jets am Tag überflogen werden. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie man da noch leben kann.“ Die Zahl der Starts und Landungen werde heuer wieder den Stand des Jahres 2005 erreichen – weit unter den ursprünglich für 2010 prophezeiten 480.000 Flugbewegungen. Der steigende Ölpreis werde dazu führen, dass die Fluggesellschaften wegen des Kostendrucks immer größere Flugzeuge einsetzten.
Kritik an „Neinsagern“
„Das ist die übliche Allianz der Neinsager, die zu allem Nein sagen, was Zukunft bringt für unser Land“, hielt der Münchner CSU-Abgeordnete Markus Blume dagegen. Unter den Neinsagern sind aber auch drei CSU-Abgeordnete aus den Kreisen Freising, Erding und Dachau. „Wir im Umfeld des Flughafens erbringen seit geraumer Zeit ein Sonderopfer für ganz Bayern, weil wir mit den negativen Folgen eines Großflughafens zu kämpfen haben, während alle anderen den Nutzen davon haben“, sagte der Freisinger CSU-Abgeordnete Florian Herrmann. Abweichend von der ganz großen Mehrheit der Redner kritisierte Herrmann den Münchner Bürgerentscheid grundsätzlich als grotesk – weil die meisten Münchner anders als die Bewohner des Umlands gar nicht direkt vom Flughafenausbau betroffen sind.

