Zahlreiche Schaulustige verfolgten den Videodreh in der Maximilianstraße. Fürst Albert ließ den Motor seines Lamborghini kräftig heulen und bekam dafür Applaus. Foto: Manfred Segererl
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ
Regensburg. Der Motor heult auf. Zweimal, dreimal, dann schießt der weiße Lamborghini-Sportwagen einige Meter nach vorne und bleibt direkt vor dem Sitz des Domain-Anbieters InterNetX in der Regensburger Maximilianstraße stehen. Hinter der Absperrung stehen in der heißen Mittagssonne gut 50 Schaulustige und schießen Handy-Fotos. Applaus brandet auf. Schülerinnen, die gerade auf dem Weg zum Bahnhof sind, bleiben neugierig stehen und verfolgen die nächste Szene. Einen Reifenwechsel. Dann heult wieder der Motor und der Wagen schießt vor bis zur Kreuzung Königsstraße. Cut. Ende. Weniger als fünf Minuten dauert das Spektakel am Montag, dann ist der Werbespot im Kasten und hinter dem Helm lüftet sich das Geheimnis. Der Fahrer des Lamborghini ist Prinz Albert von Thurn und Taxis, begeisterter Rennfahrer, der für seinen Hauptsponsor InterNetX in einem Imagefilm 600 PS hörbar macht.
Eine Stunde vor dem Dreh nippt der Mann, der es einst als jüngster Milliardär in die Forbes-Liste geschafft hatte, an seinem San Pellegrino-Wasser und dreht sich eine Filterzigarette. In Jeans und Turnschuhen fällt er an der improvisierten Theke im InterNetX-Quartier überhaupt nicht auf. „Fürst Unsichtbar“ hat ihn die Bild-Zeitung einmal genannt, weil er unerkannt zwischen Regensburg, seinem aktuellen Wohnsitz in Zürich, oder den Familien-Domizilen in Rom und Kenia pendeln kann. Öffentlichkeitswirksame Auftritte schätzt der Fürst nicht besonders.
Sonntag feiert er 29 . Geburtstag
Seit seinem 17. Lebensjahr ist der Sohn von Gloria von Thurn und Taxis, der am Sonntag seinen 29. Geburtstag feiert, im Rennsport aktiv. Seine erste Fahrt machte er beim Volkswagen Lupo Cup. Danach wechselte er als Jung-Pilot in die Maserati Trofeo Championship und konnte sich nach seinem zweiten Jahr einen sechsten Platz in der Gesamtwertung sichern. Nach einem kurzen Ausflug zu Ferrari kam er 2006 zu Lamborghini. Sein größter Erfolg war bisher die Meisterschaft in der ADAC GT Masters 2010 in einem Reiter Lamborghini. Doch der Rennsport ist eigentlich nur Hobby. Albert von Thurn und Taxis studierte Volkswirtschaft und Theologie in Rom und Edinburgh und bereitet sich bereits auf seine späteren Aufgaben im Fürstenhaus vor. Wann er die Geschäfte von seiner Mutter Gloria übernehmen wird, dazu will er sich auf MZ-Nachfrage nicht konkret äußern. „Die Mama ist wahnsinnig tüchtig, deshalb mach’ ich noch meine eigenen Sachen, so nach dem Motto: Viele Köche verderben den Brei.“ Dann schiebt er allerdings ganz ernsthaft hinzu: „Ich frage mich das auch oft, wann der Zeitpunkt kommt, ist weiß es aber nicht!“ Entscheiden werde er aber letztlich alleine darüber, wann er bereit für diese Aufgabe sei.
Nach dem Dreh gab Albert von Thurn und Taxis Interviews. Foto: Manfred Segerer
Rund um den Drehort stehen die Schaulustigen und warten. War das schon alles oder wird noch etwas passieren? Das Gerücht macht die Runde, dass der Fürst ein weiteres Mal den Rennwagen mit heulendem Motor durch die Straße jagen wird. Kurz nach 14 Uhr soll es so weit sein. Nebenan im Modegeschäft Vestino wirft die Filialleiterin einen Blick auf die Straße. „Das ist schön, wenn in unserer Straße etwas los ist“, lobt sie die Idee. Überhaupt werde in der Stadt in jüngster Zeit daran gearbeitet, das Image der Maximilianstraße aufzupolieren. Da passe prominenter Besuch gut.
Währenddessen wird in der Maximilanstraße der Reiter-Lamborghini wieder in Position gebracht. Das Wenden mit diesem tiefliegenden Gefährt ist gar nicht so einfach, stellen die Schaulustigen fest. Immer wieder heult der Motor auf, nur langsam geht es zurück in die Startposition. Eine neugierige Passantin streichelt über die Seite des Wagens. Sofort steht ein Mitglied aus dem Rennsport-Team neben ihr und bitte dies zu unterlassen. „Berühren ist verboten.“
Keine Berührungsängste
Berührungsängste zeigt Fürst Albert dagegen nicht. Freundlich fragt er die Schüler, die sich bis in den Eingangsbereich von InterNetX vorgetraut haben nach ihren Namen und schreibt Autogramme. Elias steckt es freudig ein. Worüber er sich mehr freut hat, über das tolle Auto oder über den netten Adelsspross? „Ich finde beide gut“, sagt er diplomatisch.
Albert kommt in seinem weißen Rennsportanzug ins Café Botschaft. Obwohl er Interviews rund um den Sponsorentermin eigentlich abgelehnt hat, lässt er sich nun doch einige Fragen stellen. „Normalerweise stehe ich dafür nicht zur Verfügung“, betont er. Private Fragen schließt er von vorne herein kategorisch aus. „Sie können sich sicher vorstellen warum.“ Deshalb berichtet er von der diesjährigen Rennsaison, die für ihn im Reiter Lamborghini nicht gut läuft. Er erzählt von seiner Leidenschaft für schnelle Autos, die er auch gerne im Rallyesport ausleben würde. „Doch das ist so viel härter und unkalkulierbarer, das kann man nicht machen“, sagt er und zeigt, dass er sich seiner Verantwortung für das Fürstenhaus sehr wohl bewusst ist, auch wenn er die Verantwortung dafür noch nicht tragen will.
Dabei wird Albert im kommenden Jahr 30 Jahre alt. Ein Zeitpunkt, der für ihn keine großen Veränderungen bedeutet, wie er der MZ sagt. „ Es ändert sich nicht viel, außer dass ich wahrscheinlich noch weniger Haare haben werden“, witzelt er. Obwohl er persönliche Frage eigentlich ausgeschlossen hatte, beantwortet er am Ende sogar die nach einer möglichen baldigen Hochzeit im Fürstenhaus. Sein Kommentar: „Ich kann Ihnen noch nicht sagen. Da werden Sie sich noch etwas gedulden müssen.“ Dann verlässt Albert das Café und setzt sich wieder in seinen Rennwagen. Noch einmal heulen die Motoren, noch einmal rasante Fahrt für die Kamera. Dann verabschiedet sich Albert zurück in sein Leben als Fürst Unsichtbar.