Bayern/Oberpfalz 23.09.2012, 21:33 Uhr

Erzbischof Müller sagt Servus

Drei Monate nach der Berufung von Gerhard Ludwig Müller zum obersten Glaubenshüter der katholischen Kirche hat sich die Diözese von ihm verabschiedet.

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Erzbischof Gerhard Ludwig Müller wurde mit einem Festakt aus Regensburg verabschiedet. Foto: Schröpf

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller wurde mit einem Festakt aus Regensburg verabschiedet. Foto: Schröpf

Von Christine Schröpf, MZ

Regensburg. Es gab private Grüße vom Papst in die Oberpfalz – und es war auch sonst ein Wochenende, an dem das Bistum Regensburg über seine Grenzen hinaus Aufmerksamkeit erregte: Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, seit kurzem Präfekt der mächtigen römischen Glaubenskongregation, feierte am Sonntag seinen Abschied mit Gottesdienst, Empfang für geladene Gäste und Volksfest vor dem Dom. 5000 Gläubige hatten sich dazu nach Angaben der Diözese versammelt. Müller musste unzählige Autogramme geben und Hände schütteln. Fahnenabordnungen aus der gesamten Diözese standen für ihn Spalier. Er versprach: Es ist kein Lebewohl für immer. „Mein Beziehungspunkt zu Deutschland bleibt Regensburg.“ Im Priesterseminar ist für ihn künftig immer ein Zimmer reserviert. In diesem Monat hat er dort schon drei Mal Quartier bezogen. In seiner neuen Heimat Rom fühlt er sich trotzdem nicht fremd. Er träume manchmal bereits auf Italienisch, bekannte er.

Müller wächst zu 1,95-Meter-Mann

An seinem Abschiedstag wurde Müller mit Lob überschüttet – und die Spitzen der katholischen Kirche in Deutschland erwiesen ihm die Ehre. Ein Dutzend Bischofsmützen wurden gezählt: Aus München war Kardinal Reinhard Marx gekommen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, dankte dem „1,95-Meter-Mann“ und machte Müller damit versehentlich fünf Zentimeter größer. Der Erzbischof nahm es mit Humor. „Schuhabsatz mitgerechnet, bin ich so groß.“

Es war ein sichtlich gelöster Müller, der nach fast zehn Jahren an der Spitze der Diözese mit einem Vergelt‘s Gott den Gläubigen Lebewohl sagte. „Ich danke meinem Gott jedes Mal, wenn ich an euch denke“, zitierte er dazu aus der Bibel. Der komplette Brief ist in einem 83-seitigen Dankeschön-Heft abgedruckt, den das Bistum zu Müllers Wechsel nach Rom herausgegeben hat. Der Oberhirte findet darin auch mahnende Worte. Er warnt vor „feiger Unterwürfigkeit unter innerweltliche Selbsterlösungslehren, Paktieren mit dem Neuheidentum und der öffentlich propagierten Selbstsucht“. Es seien Menschen der Kirche, die auf diese Weise dem Hohn über den Gottesglauben billige Nahrung verschafften.


 

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