Politik 06.08.2012, 14:19 Uhr

Ermittler werten Krankenhausakten aus

Im Organspendeskandal lassen erste Ermittlungsergebnisse auf sich warten. Der Patientenbeauftragte Zöller rechnet damit, dass der Skandal viele Opfer fordert.

Archiv: Chirurgen operieren in einer Klinik einen Patienten, im Vordergrund liegt Operationsbesteck. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung fürchtet einen Vertrauensverlust in die Organspende über Jahre hinweg. Foto: dpa

Archiv: Chirurgen operieren in einer Klinik einen Patienten, im Vordergrund liegt Operationsbesteck. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung fürchtet einen Vertrauensverlust in die Organspende über Jahre hinweg. Foto: dpa

Regensburg. Im Organspende-Skandal an der Regensburger Uniklinik rechnet die Staatsanwaltschaft frühestens in zwei Wochen mit ersten Ermittlungsergebnissen. Die Anklagebehörde habe mittlerweile die Unterlagen des Krankenhauses erhalten, sagte Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl am Montag in Regensburg. Die Auswertung der Akten werde jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen. Meindl schloss nicht aus, einen Gutachter hinzuziehen. Ob es neben dem bislang verdächtigten Oberarzt weitere Verdächtige gibt, konnte er nicht sagen.

Unterdessen verzögert sich ein für Anfang dieser Woche geplantes Gespräch des bayerischen Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) mit den Verantwortlichen der sieben Transplantationszentren im Freistaat. Dabei soll ausgelotet werden, wie Missbrauch bei Organspenden künftig besser verhindert werden kann. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte am Montag, das Treffen solle „schnellstmöglich“ stattfinden.

Unter anderem wolle man dabei über die Einrichtung eines Runden Tisches diskutieren. Welche Gruppen und Verbände daran teilnehmen könnten, blieb zunächst unklar. Das Gesundheitsministerium solle jedoch auf jeden Fall einbezogen werden. Auch „strukturelle Veränderungen“ bei der Organisation von Transplantationen sollten thematisiert werden. Möglicherweise müsse ein Sechs-Augen-Prinzip zur Kontrolle der Abläufe eingeführt werden. Zugleich warnte Heubisch vor einer übereilten Strafverschärfung. Die Untersuchungsergebnisse müssten abgewartet werden, bevor über eine erneute Änderung des Transplantationsgesetzes nachgedacht werde, sagte ein Sprecher des Ministers. „Jetzt drastische Maßnahmen zu fordern, fällt leicht.“ Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn hatte harte Strafen verlangt und eine Gesetzesänderung ins Gespräch gebracht.

Ärzte seit Jahren befreundet

Der Oberarzt steht unter Verdacht, zuerst in Regensburg und später im Göttinger Uniklinikum Krankenakten gefälscht zu haben. Dabei soll er die Krankheit auf dem Papier verschlimmert haben, damit den Patienten schneller eine neue Leber implantiert wurde – obwohl andere sie vielleicht nötiger gehabt hätten. Von 2004 bis 2006 sollen in Regensburg in 23 Fällen die Krankendaten bei Lebertransplantationen manipuliert worden sein. Der Arzt, der seit November vom Dienst suspendiert ist, bestreitet nach Angaben der Göttinger Klinik die Vorwürfe.

 

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