Romney macht Paul Ryan zur Nummer 2
Im Kampf ums Weiße Haus macht Romney einen der unbequemsten Kongressabgeordneten zu seinem Vizekandidaten. Paul Ryan ist ein rotes Tuch für Demokraten.
Washington. Der republikanische US-Präsidentenbewerber Mitt Romney hat den wirtschaftsliberalen Kongressabgeordneten Paul Ryan zu seinem Vizekandidaten ernannt. Der 42 Jahre alte Finanzexperte werde mit ihm gegen US-Präsident Barack Obama um den Einzug ins Weiße Haus kämpfen, sagte Romney am Samstag bei einer Kundgebung in Norfolk. Ryan sei ein Mann „mit Charakter und Werten“ und ein „intellektueller Führer“, lobte Romney. Der Katholik ist wegen seiner marktradikalen Ideen auch in der eigenen Partei nicht unumstritten.
Mit der Entscheidung für Ryan als „Running Mate“ für den Urnengang am 6. November wird Romney aus Sicht von US-Kommentatoren den Wahlkampf weiter polarisieren. Ryan steht für drastische Haushaltskürzungen. Er will Sozialprogramme und das Steuersystem radikal umbauen, dabei auch vor neuen Belastungen für Rentner nicht haltmachen. Die Demokraten kritisieren seine Pläne vehement; Obama bezeichnete sie einst gar als „Sozialdarwinismus“. Das Wahlkampfteam des Präsidenten bekräftigte in einer ersten Reaktion auf die Ernennung, Ryan hänge „einer fehlerhaften Theorie“ an, die Reiche zulasten der sozial Schwachen bevorzuge. Zudem habe der Konservative als Kongressabgeordneter die „rücksichtlose“ Wirtschaftspolitik des damaligen Präsidenten George W. Bush mitgetragen, die zu hohen Staatsschulden und einem Zusammenbruch der Konjunktur geführt habe.
Ryan greift Obama an
Als Vorsitzender des Haushaltsausschusses ist Ryan einer der einflussreichsten US-Politiker. In dieser Funktion geht er auch Wortgefechten mit Obama nicht aus dem Weg. In seiner Antrittsrede griff Ryan den Präsidenten erneut scharf an: „Welche Gründe auch immer, welche Ausreden auch immer, dies ist eine Bilanz des Versagens“, warf er ihm vor. Obama müsse die Verantwortung für die Probleme des Landes übernehmen und dürfe sie nicht auf seien Vorgänger schieben.
Der erste gemeinsame Auftritt an Bord des US-Kriegsschiffes mit dem passenden Namen „USS Wisconsin“ – aus dem Staat stammt Ryan – machte klar: Das Team will sich den Wählern in Wirtschafts- und Haushaltsfragen als klare Alternative zu Obama und dessen Vize Joe Biden empfehlen. „Wir werden die Großartigkeit dieses Landes wiederherstellen“, betonte Romney. Seine Entscheidung gilt aber auch als riskant, da er gemeinsam mit Ryan politisch weiter nach rechts rückt. Zudem gilt der Vizekandidat als außenpolitisch unerfahren. Für manche ist er auch noch zu jung für das zweithöchste Amt im Staate.





