Assange inszeniert große Show
Julian Assanges Rede war mit Spannung erwartet worden. In seiner Ansprache auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft legt sich der berühmteste Flüchtling der Welt mit den USA an. Er wirft den Amerikanern eine regelrechte „Hexenjagd“ vor.
Auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London sprich Julian Assange am Sonntag zu seinen Anhängern. Hier kann er von britischen Polizei nicht festgenommen werden. Foto: afp
London/Guayaquil. Großes Theater in Knightsbridge: An einem Sonntagnachmittag, als es in London heißer war als in Hawai, zog es die Weltpresse zum „Hans Crescent“, einer Straße gleich hinter dem Nobelkaufhaus Harrods. Dort, im Erdgeschoss eines Wohnblocks, ist die Botschaft von Ecuador untergebracht. Und in der Botschaft residiert zur Zeit der berühmteste Flüchtling der Welt: Julian Assange.
Der australische Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks kämpft gegen seine Auslieferung nach Schweden, wo er wegen Sexualdelikten vernommen werden soll. Nachdem Assange in der letzten Woche politisches Asyl von Ecuador erhalten hatte, stellte der britische Außenminister William Hague klar: Freies Geleit bekommt er nicht, er soll festgenommen werden, sobald er die Botschaft verlässt. Daraufhin lud Assange die Weltöffentlichkeit nach Knightsbridge ein: Er werde, ließ er über Twitter wissen, am Sonntagnachmittag vor der ecuadorianischen Botschaft eine Erklärung verkünden.
Polizei schaut machtlos zu
Die Szene ist gesetzt. Die Kamerateams rücken an, auch viele Assange-Symphatisanten lassen sich blicken. Die britische Polizei übernimmt die Rolle von Komparsen: Mehrere Dutzend Polizisten ¨im besten Sonntagsstaat mit ihren kurzärmeligen weißen Hemden und schwarzen Westen und Krawatten – bauen sich vor der Botschaft auf. Sie würden Assange allzugerne verhaften, aber solange sich der Australier auf dem extraterritorialen Gelände der Botschaft befindet, dürfen sie das nicht.
Schon seit dem frühen Morgen ist es sehr lebendig im „Hans Crescent“. Hunderte von Zuschauern laufen auf, aber es gibt keine Action. Gegen zwei Uhr dann ein erstes Warmlaufen. Baltasar Garzon, der spanische Starjurist und Anwalt von Assange, gibt eine kurze Erklärung ab. Sein Mandant sei in kämpferischer Stimmung. Er danke dem Volk von Ecuador und seinem Präsident Rafael Correa. „Assange hat immer für die Menschenrechte gekämpft“, sagt Garzon, „Jetzt möchte er, dass auch seine Rechte respektiert werden.“

