Politik 26.08.2012, 15:38 Uhr

Gedenken an Rostocker Krawalle

In Rostock-Lichtenhagen haben Tausende an die ausländerfeindlichen Krawalle von 1992 erinnert und gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert.

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Der in Rostock geborene Bundespräsident Joachim Gauck (l.) wird am Sonntag (26.08.2012) vor dem Sonnenblumenhaus im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen vom Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (SPD), begrüßt. Gauck ist Gast bei der zentralen Veranstaltung zum Gedenken an die ausländerfeindlichen Ausschreitungen im Stadtteil Lichtenhagen von 1992. Foto: dpa

Der in Rostock geborene Bundespräsident Joachim Gauck (l.) wird am Sonntag (26.08.2012) vor dem Sonnenblumenhaus im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen vom Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (SPD), begrüßt. Gauck ist Gast bei der zentralen Veranstaltung zum Gedenken an die ausländerfeindlichen Ausschreitungen im Stadtteil Lichtenhagen von 1992. Foto: dpa

Rostock. Zum 20. Jahrestag der fremdenfeindlichen Krawalle von Rostock-Lichtenhagen hat Bundespräsident Joachim Gauck alle Demokraten zum mutigen Eintreten gegen Rechtsextremismus aufgerufen. „Unsere Heimat kommt nicht in braune Hände“, sagte er am Sonntag bei der zentralen Gedenkkundgebung in Lichtenhagen. Jenen, die die Demokratie verachten oder bekämpfen, stehe heute eine breite Front gegenüber. „Wir versprechen Euch, wir fürchten Euch nicht. Wo ihr auftretet, werden wir Euch im Wege stehen“, sagte Gauck an die Adresse von Rechtsextremisten. „Demokratie muss wehrhaft sein und darf sich das Gewaltmonopol nicht aus der Hand nehmen lassen“, sagte er

Tausende Menschen demonstrierten am Wochenende in Rostock für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit. Die Veranstalter sprachen von einem machtvollen Eintreten gegen das Vergessen und gegen Ausgrenzung.

Im Sommer 1992 hatten in der Plattenbau-Vorstadt rechte Randalierer tagelang ein überfülltes Asylbewerberheim belagert. Unter dem Applaus von Anwohnern warfen sie schließlich Brandsätze auf das dort ebenfalls untergebrachte Ausländerwohnheim. Zu der Eskalation hatten auch ein völlig unzureichendes Polizeiaufgebot und eine überforderte Polizeiführung beigetragen. Die Ereignisse zählen zu den schlimmsten fremdenfeindlichen Übergriffen der deutschen Nachkriegsgeschichte und hatten weltweit für Entsetzen gesorgt.

Die Ausschreitungen von damals seien „bis heute für Rostock ein Brandmal“, sagte Gauck, dessen Rede kurzzeitig von Zwischenrufen wie „Heuchler“ durch Linksautonome gestört wurde. Der von Rechtsextremen verbreitete Hass dürfe als Mittel der Konfliktlösung niemals geduldet werden. „Wenn Hass entsteht, wird nichts besser, aber alles schlimmer.“ Noch entzündeten sich hierzulande mitunter Ängste angesichts fremder Kulturen und Religionen. „Aber Konflikte sind im gegenseitigen Respekt zu lösen“, forderte Gauck. „Zur Lösung gehört, sich darüber klar zu werden, dass unser Land inzwischen ein Einwanderungsland geworden ist.“

 

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