Sicherheitslücken auch bei deutschen AKW
Europas Atomkraftwerke haben Sicherheitsmängel - auch die in Deutschland wie „Isar“ bei Landshut. Das deckt ein EU-Stresstest auf.
Wasserdampf steigt vom Kühlturm auf dem Gelände der Kernkraftwerke Isar Essenbach bei Landshut auf. Auch dort muss nachgebessert werden. Foto: dpa
Brüssel/Berlin. Aufregung um deutsche Atomkraftwerke: Ein EU-weiter Stresstest hat Sicherheitslücken aufgedeckt, etwa bei der Warnung vor Erdbeben. Alle zwölf geprüften deutschen AKWs müssten die auf den Anlagen installierten Warnsysteme nachbessern oder installieren, fordert der Entwurf zum Bericht der EU-Kommission, der der Deutschen Presse-Agentur dpa in Brüssel vorliegt. Zudem hätten die Betreiber die internationalen Leitlinien für schwere Unfälle nicht umgesetzt. Offizielle Ergebnisse will die EU-Kommission erst Mitte Oktober veröffentlichen.
Während Umweltschützer und Grüne empört reagierten, gab sich das Bundesumweltministerium gelassen. Ein Sprecher von Minister Peter Altmaier (CDU) sagte in Berlin: „Die Erdbebensicherheit ist bisher nicht beanstandet worden bei Kernkraftwerken in Deutschland.“ Als Reaktion auf das Atomunglück im japanischen Fukushima hat die EU europaweit alle 145 Nuklearreaktoren (aktive und stillgelegte) auf ihre Sicherheit geprüft. In Deutschland waren es zwölf Anlagen: Biblis, Brokdorf, Brunsbüttel, Emsland, Grafenrheinfeld, Grohnde, Gundremmingen, Isar, Krümmel, Neckarwestheim, Philippsburg, Unterweser. Bei allen werden die zwei genannten Punkte bemängelt. Über einen ersten Entwurf des Berichts hatte zuvor auch die Tageszeitung „Die Welt“ berichtet.
In 14 von 27 EU-Staaten sind noch AKWs in Betrieb
Wenn ein Werk durchfällt, müsste es nachgerüstet oder abgeschaltet werden. Um die Mängel zu beheben, müssten die Betreiber EU-weit nach Rechnung der EU-Kommission für alle 134 noch laufenden Reaktoren in den kommenden Jahren zwischen 10 und 25 Milliarden Euro investieren. Innerhalb der EU setzen derzeit 14 von 27 Staaten auf Kernenergie. Europaweit schneiden laut EU-Report französische AKWs besonders schlecht ab. Kritikpunkte sind vor allem fehlende oder ungenügende Erdbeben-Messgeräte, die sichere Lagerung von Unfallausrüstung und Mängel bei der Prüfung von Erdbeben- und Flutgefahren.

