Politik 15.10.2012, 10:48 Uhr

Energiewende wird für Bürger teuer

Die Kosten für Strom steigen – wegen der Umlage zur Ökostrom-Förderung. Erneuerbare Energien haben ihren Preis – die Politik ist um Schadensbegrenzung bemüht.

Erneuerbare Energien haben ihren Preis: Die Kosten für Strom steigen. Foto: dpa

Erneuerbare Energien haben ihren Preis: Die Kosten für Strom steigen. Foto: dpa

Berlin. Die Energiewende wird die Verbraucher 2013 deutlich teurer zu stehen kommen – dennoch kann sich die Bundesregierung nicht auf eine schnelle Begrenzung der Stromkosten einigen. Die auf den Preis aufgeschlagene Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien steigt um 47 Prozent auf exakt 5,277 Cent je Kilowattstunde. Das teilten die für die Förderzahlungen zuständigen Netzbetreiber am Montag offiziell mit. Der schon vor Tagen bekannt gewordene Rekordanstieg sorgt in der Bundesregierung für einen Streit, wie sich die Stromkosten insbesondere für Bürger mit niedrigen Einkommen mindern lassen - eine im Bundestagswahljahr hochpolitische Frage.

Die Linke warnte vor einer sozialen Schieflage bei der Energiewende. Der Anstieg der Ökostrom-Umlage bedeutet für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden, dass allein diese Zusatzkosten beim Strompreis um 60 Euro von 125 auf knapp 185 Euro steigen - ohne Mehrwertsteuer. Ein Grund ist der Boom bei der Solarenergie, für 2013 werden hier Förderzahlungen von zehn Milliarden Euro erwartet. Ursprünglich hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) betont, dass die Umlage auf dem heutigen Niveau bleiben solle.

Strompreiserhöhungen um bis zu zehn Prozent

Zusammen mit deutlich höheren Netzentgelten und weiteren durch die Energiewende bedingten Kosten drohen Strompreiserhöhungen um bis zu zehn Prozent, schätzen mehrere Versorger. Dann könnte die Kilowattstunde über 28 Cent kosten. Der Essener Energiekonzern RWE will die höhere Umlage aber vorerst nicht auf den Strompreis aufschlagen. „Das binden wir uns ans Bein“, sagte ein Sprecher.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte: „Der Hauptkostentreiber ist die Förderung erneuerbarer Energien. Da müssen wir jetzt ran.“ Die Zeit der Konsensrunden und Vertröstungen sei endgültig vorbei, die Union dürfte sich einer raschen Reform bei der Förderung erneuerbarer Energien nicht verweigern. Rösler bekräftigte Forderungen, die Stromsteuer zu senken. Die Rabatte für die Industrie, die die Kosten der Verbraucher um mehrere Milliarden Euro nach oben treiben, verteidigte er. Es gelte die 875 000 Arbeitsplätze in der energieintensiven Industrie zu sichern.

 

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