Holpriger Start für Transplant-Gesetz
Am 1. November tritt die Reform des Transplantationsgesetzes in Kraft. Doch die Krankenkassen zögern mit der Zusendung von Organspende-Ausweisen.
Während die Bundesregierung die Reform des Transplantationsgesetzes beschlossen hat, zögern die Krankenkassen. Sie sollen die Organspendeausweise versenden. Foto: dpa
Bonn. Mehr Organspenden sind das Ziel: Am 1. November tritt deshalb eine Reform des Transplantationsgesetzes in Kraft. Nach der dann geltenden „Entscheidungslösung“ werden künftig alle Bürger über 16 Jahre regelmäßig über ihre Organspendebereitschaft befragt.
Doch dem Gesetz wird ein holpriger Start beschert: Denn große Krankenkassen wie die Barmer GEK und die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) wollen ihren Mitgliedern derzeit noch keine gesonderten Informationen und keinen Spenderausweis zuschicken, wie es die Reform des Gesetzes vorsieht. Der Grund: die Verunsicherung, die die Organspendeskandale in Regensburg, Göttingen und München bei der Bevölkerung ausgelöst haben. „Wir wollen nicht das viele Geld ausgeben, ohne den Versicherten auf ihre berechtigten Fragen Antwort geben zu können“, sagt der Pressesprecher der AOK, Udo Barske, auf Anfrage. Erst müsse die Politik Konsequenzen aus den Skandalen ziehen. Einen Termin für die Informationsversendung an alle Mitglieder hat die AOK mit ihren 24 Millionen Versicherten deshalb noch nicht festgelegt. Barske verweist darauf, dass das Gesetz den Kassen ein Jahr Zeit dazu gibt. Und er betont, dass alle Kassen bereits umfangreich über das Thema, etwa auf ihren Webseiten oder in ihren Mitgliedermagazinen, informieren.
Barmer bereitet Massenversand im Frühjahr vor
Ähnlich sieht das auch die Barmer, die 7,6 Millionen Versicherte über 16 Jahren anschreiben muss. „Nach den Skandalen ist das ganze Organspende-System in der Krise“, meint Pressesprecher Kai Behrens. Man müsse die Vorgänge aufklären, brauche mehr Transparenz im Organspenderverfahren und eine strikte Kontrolle. Die Planungen für die Versandaktion laufen nach seiner Darstellung aber auf Hochtouren. Angedacht sei das Frühjahr.
Genau umgekehrt argumentiert die Techniker Krankenkasse (TK), die ähnlich viele Versicherte anschreiben muss. „Gerade weil die Verunsicherung so groß ist, wollen wir zeitnah noch in diesem Jahr informieren“, kündigt die zuständige Pressereferentin Michaela Hombrecher an. Sie verweist auf Erkenntnisse einer Kampagne für mehr Organspenden, die die TK seit dem Frühjahr mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durchführt: „Das Wissen der Bürger über die Organspende ist sehr gering“, analysiert Hombrecher. „Den meisten ist nicht einmal klar, dass man auf dem Spenderausweis auch sein Nein zur Organspende dokumentieren kann.“ Auch, dass vor einer Entnahme erst in einem komplizierten Verfahren der Hirntod festgestellt werden müsse, sei weithin unbekannt.

