Vom Manager zum Grünen-Abgeordneten
MdB Thomas Gambke verrät MZ-Redakteur Frank Betthausen, was Naturgesetze mit seiner Vorstellung von Politik gemein haben – und mit der von Angela Merkel.
Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, dass Sie jungen Menschen Neugier, Mut und Ehrlichkeit mit auf den Weg geben wollen. Wie ehrlich geht es in der Politik noch zu?
Thomas Gambke: Der Begriff Ehrlichkeit ist in anderen Branchen – ich war lange Manager in einem Unternehmen – sehr relativ. Insofern bin ich nicht der Meinung, dass in der Politik ein Klima besonderer Unehrlichkeit herrscht. Dort, wo Menschen Ziele verfolgen, die mit Machtpositionen zu tun haben, erlebe ich es generell häufig, dass die Ehrlichkeit auf der Strecke bleibt. Die Frage ist für mich dennoch, warum Politiker es zulassen, dass sie unehrlich sind und Aussagen treffen, die sie relativ schnell widerrufen. Solche Politiker können auf lange Sicht nicht erfolgreich sein.
Sie sind wie Bundeskanzlerin Angela Merkel studierter Physiker. Warum ist ein Physiker bei den Grünen der bessere Politiker als bei der CDU?
Thomas Gambke: Der Ehrlichkeit halber würde ich ergänzen, dass Oskar Lafontaine ebenfalls Physiker ist, auch wenn ich mich mit ihm weder vergleichen noch auf eine Stufe stellen will (lacht). Ich glaube, dass der Beruf kaum eine wirkliche Bedeutung in der Politik hat. Wichtiger ist der gesunde Menschenverstand.
Und wo liegt der Unterschied zwischen Ihnen und Angela Merkel?
Thomas Gambke: Ich bin Experimentalphysiker, sie theoretische Physikerin – und Experimentalphysiker sind in der Regel näher an der Realität. Was mir bei ihr fehlt, ist die Konsequenz. Was ich beobachte, ist – und das ist nicht sehr physikalisch – , dass sie immer wieder eine klare, gerade politische Linie vermissen lässt. Ich habe immer wieder den Eindruck, dass Angela Merkel sich nicht entscheiden kann, welche Gesetze sie anwendet. Naturgesetze kann man nicht umstoßen – die sind so. Da würde ich mir bei der Kanzlerin manchmal mehr Physik wünschen.


