Politik 03.04.2012, 20:45 Uhr

Merkels Charme-Offensive in Prag

Die Vorstellungen der Bundeskanzlerin stießen in Tschechien auf freundliche, aber deutliche Ablehnung.


        Ein blumiger Empfang – trotz Differenzen: Der tschechische Präsident Vaclav Klaus begrüßte Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern zu einem Kurzbesuch in Prag. Foto: afp

Ein blumiger Empfang – trotz Differenzen: Der tschechische Präsident Vaclav Klaus begrüßte Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern zu einem Kurzbesuch in Prag. Foto: afp

Von Harald Raab, MZ

PRAG. Die tatsächliche und die politische Wetterlage stimmten überein, als die Kanzlermaschine auf dem Flughafen Prag-Ruzyne einschwebte: Sonnenschein und kühle Temperatur. In dieser atmosphärischen Konstellation verliefen die Gespräche Angela Merkels mit dem tschechischen Regierungschef Petr Necas und mit Präsident Vaclav Klaus.

In einem Interview mit der Zeitung „Lidove Noviny“ hat Angela Merkel ihre tschechischen Sprachkenntnisse offengelegt. Immerhin hat sie neun Monate als angehende Naturwissenschaftlerin in Prag verbracht. Kernstück ihres tschechischen Wortschatzes: „Dostanes facku!“ – „Du bekommst gleich eine Ohrfeige“.

Dass die deutsche Regierungschefin gegenüber Necas und Klaus nicht mit derartigen Androhungen aufgetreten ist, versteht sich von selbst. Sie wirkte bei der Pressekonferenz mit ihrem Amtskollegen gelassen, ja nachsichtig. Kannte sie doch die Haltung der Tschechen zu den beiden wichtigsten Gesprächsthemen, Fiskalpakt und Energiepolitik. Necas hatte vorher schon sein „Ne“ zum Fiskalpakt unmissverständlich ertönen lassen. Sein Urteil: „Die Währungsunion ist im Begriff, sich zu einer Transfer- und Schuldenunion zu entwickeln.“ Merkel sibyllinisch: „Auch wenn Tschechien den Fiskalpakt jetzt nicht unterzeichnet hat, wissen wir, dass sich die tschechische Regierung das offen hält.“

Tschechien baut die Atomkraft aus

In Sachen Energie hat es Merkel sogar schriftlich. Necas schrieb ihr vor wenigen Tagen, dass sein Land auf den Ausbau der Atomkraft setze. Bei der Erweiterung von Temelin sicherte er zu, dass der Neubau von zwei Reaktoren auch mit den deutschen Nachbarländern Bayern und Sachsen intensiv diskutiert werde. Necas: „Wir verbergen nicht. Wir werden so transparent sein wie möglich.“


 

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