Politik 03.04.2012, 21:17 Uhr

Ist die Gesundheitskarte eine Totgeburt?

Bis Ende 2013 sollen alle neuen Plastikkarten versandt sein – und dann landen sie womöglich auf dem Müll.


        Bis jetzt nur bunte Bildchen: Die Funktionen der elektronischen Gesundheitskarte sind derzeit noch eingeschränkt. Fotos: dpa, DGVP

Bis jetzt nur bunte Bildchen: Die Funktionen der elektronischen Gesundheitskarte sind derzeit noch eingeschränkt. Fotos: dpa, DGVP

von Martin Anton, MZ

München/Berlin. Seit zehn Jahren ist die Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in Deutschland geplant. Das Projekt hat seitdem schätzungsweise vier Milliarden Euro gekostet. Voriges Jahr bekamen die ersten zehn Prozent der in Deutschland gesetzlich Versicherten ihre neue eGK. Die Unterschiede zur alten Karte sind gering: Ein Foto ziert ab jetzt das Plastik. Außerdem sind zusätzlich zu den bisherigen Verwaltungsdaten auch das Geschlecht vermerkt und ob der Versicherte von gesetzlichen Zuzahlungen befreit ist. Künftig jedoch soll die eGK die digitale Vernetzung in die Arztpraxen bringen.

Auf die Online-Anbindung der Karte werde man allerdings wohl noch einige Jahre warten müssen, erklärt Ann Marini vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Derzeit befinde man sich noch vor dem Praxistest. Geplant ist eine Kombination aus Chipkarte und Online-Konto, über das der Versicherte die Inhalte auf seiner Karte verwalten kann.

Wichtige Daten immer dabei haben

Daten wie Anschrift und Versicherungsstatus wären weiterhin für jeden Arzt sichtbar. Außerdem sollen Notfall-Informationen über Allergien oder andere Unverträglichkeiten gespeichert werden, die den Ärzten eine schnelle Reaktion ermöglichen – auch wenn der Patient nicht mehr ansprechbar ist. Über eine zusätzliche Information: „Organspender, ja/nein“ wird derzeit noch beraten. Außerdem sollen es Karte und Konto ermöglichen, die eigene Krankengeschichte zu speichern. Impfungen, Operationen, Röntgenbilder usw. wären dann für den behandelnden Arzt einsehbar – oder auch nicht. Denn das Gesetz sieht vor, dass der Karteninhaber selber entscheiden kann, wer zu welchen Informationen Zugang hat. Soweit die Theorie. Doch zunächst sind die Kassen, die per Gesetz den Auftrag zur Einführung der eGK bekommen haben, noch mit dem Austausch beschäftigt. Bis Ende dieses Jahres sollen 70 Prozent der 70 Millionen in Deutschland gesetzlich Versicherten ihre Karte erhalten. Bis Ende 2013 soll der Prozess dann abgeschlossen sein. Doch nicht jeder ist von der eGK überzeugt.


 

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