Politik 27.04.2012, 08:33 Uhr

Streit um Vorratsdaten: Frist ist abgelaufen

Die Regierung hat die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung nicht eingehalten. Nun droht ein Bußgeld in Millionenhöhe.


        Die Geduld in Brüssel beim Thema Vorratsdatenspeicherung ist zu Ende. Nun droht Deutschland eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof.

Die Geduld in Brüssel beim Thema Vorratsdatenspeicherung ist zu Ende. Nun droht Deutschland eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof.

Berlin. Im Streit zwischen Brüssel und Berlin um die Vorratsdatenspeicherung ist die von der EU gesetzte Frist für ein Einlenken in der Nacht zum Freitag abgelaufen. Die EU-Kommission hatte der Bundesregierung bis Mitternacht Zeit gegeben, eine EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung umzusetzen. Wegen eines Streits in der schwarz-gelben Koalition wurde die Regelung bislang aber nicht übernommen. Nun droht eine Klage gegen Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) und in letzter Konsequenz ein Bußgeld in Millionenhöhe.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar warf der EU vor, mit zweierlei Maß zu messen. „Die EU-Kommission sollte zunächst vor der eigenen Türe kehren, schließlich hat sie bei dem Thema selbst so einige Fristen versäumt“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitag). Zudem äußerte er generelle Bedenken.

Streit in Union und FDP geht weiter

„Ich bezweifle sehr, ob die europäische Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung mit dem europäischen Grundrecht auf Datenschutz vereinbar ist“, sagte Schaar. Irland habe den Europäischen Gerichtshof sogar um Überprüfung dieser Frage gebeten. „Wenn die Grundrechtskonformität bereits auf europäischer Ebene strittig ist, dann halte ich die nationalen Bedenken zur Umsetzung der Brüsseler Vorgabe für legitim“, so der Datenschutzbeauftragte weiter.

In Berlin liegen zwei Gesetzentwürfe zur Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht vor. Das Bundesverfassungsgericht hatte die alte deutsche Regelung im März 2010 verworfen. Seitdem streiten Union und FDP über eine Neuregelung, für die formal Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zuständig ist.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl (CSU), warf Leutheusser-Schnarrenberger Blockadehaltung vor, die „ein gewaltiges Risiko für unsere öffentliche Sicherheit“ darstelle. Die FDP-Ministerin sei mit ihrer Meinung, das anlasslose Speichern von Verbindungsdaten sei rechtswidrig, „völlig isoliert“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag).


 

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