Image der Bauern wird besser
Landwirtschaft als Schulthema? Viele Deutsche finden die Idee gut.
Die Bedeutung der Landwirtschaft für die Gesellschaft wird laut einer neuen Umfrage hoch eingeschätzt. Foto: dpa
Berlin.
Nach BSE, Ehec, Dioxin, Gammelfleisch und all den anderen Skandalen, nach Problemen mit der Massentierhaltung und dem Einsatz von Pharmaka, die in den letzten Jahren die Schlagzeilen über die Landwirtschaft dominierten, dürfte es nicht verwundern, wenn der Ruf der deutschen Landwirte ramponiert wäre. Ist er aber nicht. Im Gegenteil. Nach einer aktuellen Emnid-Befragung wird den Bauern für die Zukunft der Gesellschaft eine wichtige Rolle beigemessen. Landwirte rangieren gleich nach Ärzten und Lehrern mit 44 Prozent in der Bedeutungsskala der Berufe auf Rang drei.
Das Interesse an landwirtschaftlichen Themen ist groß. Die Medienberichterstattung wird dagegen von einem Drittel der Befragten als zu negativ betrachtet. 79 Prozent der rund 1000 repräsentativ ausgewählten Bundesbürger wollen sogar, dass im Schulunterricht Landwirtschafts-Themen verpflichtend behandelt werden. Eine Belästigung durch landwirtschaftliche Tierhaltung verneinten dagegen 73Prozent der Befragten. Nur ein Viertel fühle sich etwa von Mastanlagen belästigt. Interessanterweise, so Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner, hätten die Bewohner von kleinen Orten weniger Probleme mit Tieranlagen als die von Städten. Über die konkrete Betroffenheit sagen solche Zahlen freilich nichts aus.
Der scheidende Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner, er wird nach über 20 Jahren im Juni sein Amt abgeben, zeigte sich zufrieden damit, dass Themen der Land- und Ernährungswirtschaft bei Verbrauchern und Medien auf größtes Interesse stießen. „Sie sensibilisieren offenbar in unserer Gesellschaft.“ Sonnleitners Nachfolger, dem niederbayerischen Bauernfunktionär Walter Heidl, ist der Dialog mit der Öffentlichkeit und den Verbrauchern besonders wichtig: „Wenn Kinder in der Schule eine Kuh malen, die lila ist, hat sich die Bevölkerung entfernt von der Landwirtschaft.“
Was die neue Studie auch zeigte: Besonders ausgeprägt sind die Erwartungen an die Landwirte: 85 Prozent der Befragten wünschten sich einen verantwortungsvollen Umgang der Bauern mit ihren Tieren. 82 Prozent erwarten dies beim Umgang mit Boden, Wasser und Luft. Einen Verzicht auf Gentechnik erwarteten rund zwei Drittel der Befragten. Sonnleitner meinte, dass kritische Verbrauchermeinungen darauf zurückzuführen seien, dass die Landwirtschaft weniger als Bereich mit positiver Bilanz, „sondern mehr als eine Wunschidylle“ wahrgenommen werde.
In der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen konstatierte Sonnleitner eine „gewisse Entfremdung von der Natur und von Ernährungsfragen“. Nur 23Prozent der jungen Leute gab großes oder sehr großes Interesse an. Dagegen äußerten 60 Prozent der über 60-Jährigen Interesse an landwirtschaftlichen Themen. Sonnleitner kündigte verstärkte Informationsangebote im Internet, etwa bei Facebook oder Videos bei Youtube an.

