Oskar Lafontaine ist zu Comeback bereit
Oskar Lafontaine wird von Teilen der Linken als Retter herbeigesehnt, die ostdeutschen Landesverbände setzen auf Dietmar Bartsch.
Oskar Lafontaine ist zum Comeback bereit.
Berlin. Ein tonnenschwerer Granitblock hängt als „Kunst am Bau“ gleich neben dem Bundestagsbüro von Dietmar Bartsch. Der Stein, der sozusagen politisch über dem 54-jährigen Fraktions-Vize hängt, heißt Oskar Lafontaine. Die beiden linken Protagonisten, die derzeit in Berlin um den Parteivorsitz streiten, könnten kaum unterschiedlicher sein.
Hier der begnadete Redner und Parteitagsstürmer Oskar Lafontaine, der sich immer noch an seiner Ex-Partei SPD abarbeiten will, der Ex-Kanzler Schröder und dessen Mitstreiter bei der Agenda 2010 als Helfer des Teufels betrachtet. Dort der pragmatische, tief im Osten verankerte Bartsch. Als Schatzmeister rettete er einst die PDS vor dem drohenden Konkurs, später managte er als ihr Bundesgeschäftsführer erfolgreich Wahlkämpfe.
Es treffen zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander, zwei unterschiedliche Verständnisse von Partei. Hier der charismatische Haudrauf, vor dem Kanzler erzittern sollen und dem das Parteivolk jubelnd die Krone der Partei anträgt. Dort der eher spröde Norddeutsche, der die Partei eher behutsam, aber zielstrebig in Regierungsverantwortung führen möchte. Und anders als Lafontaine verfügt Bartsch über beste Kontakte zu SPD-Chef Sigmar Gabriel. Man ist per Du. Lafontaine hat für seine SPD-Nachfolger nur böse Verachtung übrig.
In Berlin rauchen die Köpfe
Das Berliner Karl-Liebknecht-Haus unweit der Volksbühne erlebt derzeit die Aufführung: Warten auf „de Oskar“. Nach dem Bundesvorstand am Morgen redeten sich gestern Nachmittag die Landesvorsitzenden die Köpfe heiß, wer die gebeutelte Partei künftig führen solle. Der 68-jährige Lafontaine, für einige immer noch „der Napoleon von der Saar“, hat sein Kommen erst für heute Nachmittag angekündigt.

