Neue Runde im Streit bei der Linken
Fraktionschef Gysi befürchtet Spaltung. SPD macht Reformern Angebote.
Oskar Lafontaine will zurück an die Linken-Spitze – aber ohne Kampfkandidatur. Foto: dpa
Berlin.
Das Taktieren im Machtkampf um die Führung der Linken geht in eine neue Runde. Der Kompromissvorschlag von Fraktionschef Gregor Gysi ist bislang ohne Konsequenzen verhallt. Gysi hatte in einem Brief vorgeschlagen, Lafontaine solle wieder an die Parteispitze zurückkehren, dessen Gegenspieler Dietmar Bartsch solle Bundesgeschäftsführer werden. Beide sollten „springen und aufeinander zugehen“. Für den Landeschef der Linken in Mecklenburg-Vorpommern Steffen Bockhahn ist Gysis Vorschlag jedoch „absurd“. Auch in anderen ostdeutschen Verbänden gibt es weiterhin erhebliche Kritik gegen Lafontaine. Einige werfen ihm „Erpressung“ vor, weil er eine Kandidatur von Bartsch verhindern wolle.
Ärger über Konferenz in Berlin
Für weitere Verärgerung der Pragmatiker in der Linken sorgt eine für Sonntag geplante „linke Strategiekonferenz“ in Berlin, bei der Oskar Lafontaine und dessen Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht als Hauptredner auftreten werden. Die Partei solle sich auf „linke Kernthemen wie soziale Sicherheit, die Eigentumsfrage und Frieden sowie die Orientierung auf Protest und außerparlamentarischen Widerstand anstatt auf Anbiederei an andere Parteien“ fokussieren, hieß es in der Einladung.
Gysi hatte in seinem Schreiben eindringlich vor einer Spaltung der Linken gewarnt. Es gebe nach wie vor unterschiedliche Teile in der Partei. „Entweder man trennt sich oder man findet zusammen.“ Oskar Lafontaine müsste auf Dietmar Bartsch zugehen und ihn als Bundesgeschäftsführer vorschlagen und akzeptieren“, erklärte Gysi. „Und dann müsste Dietmar Bartsch auf Oskar Lafontaine zugehen und ihn als Parteivorsitzenden akzeptieren.“ Lafontaine sei „zweifellos ein herausragender deutscher und europäischer Politiker“. Bartsch sei ebenfalls „ein herausragender Politiker, hat aber nicht das gleiche Gewicht“, befand Gysi. Er sei aber „ein besserer Parteiorganisator“.
„Wir wären doch doof“
Unterdessen gibt es Signale aus der SPD, Reformkräfte aus der Linkspartei aufzunehmen, die in ihrer bisherigen Partei keine politische Zukunft mehr sehen. Der Bundesvorsitzende des SPD-Arbeitnehmerflügels (AfA) Klaus Barthel sagte unserer Zeitung: „Wir wären doch doof, wenn wir Leute nicht nehmen würden, die zu uns wollen. In der SPD gibt es keine Berufsverbote. Entscheidend ist, dass sich die Betreffenden zu den politischen Zielen und zur Programmatik der SPD bekennen. Sie sollten glaubhaft darstellen können, dass sie dazugelernt haben.“
Der frühere Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine (68) hatte am Dienstag seine Bereitschaft zur erneuten Kandidatur erklärt, eine Kampfkandidatur gegen seinen Widersacher Bartsch aber abgelehnt. Der aus Stralsund stammende 54-jährige Bartsch wiederum hält an seiner im November angekündigten Kandidatur fest.

