Politik 03.06.2012, 08:29 Uhr

Der Traum vom Fliegen ist vorerst geplatzt

Das Desaster rund um den neuen Berliner Flughafen ist teuer für den Staat – und für manche Menschen eine echte Existenzbedrohung.


        Der neue Hauptstadtflughafen, der an diesem Sonntag in Betrieb gehen sollte, ist nach wie vor eine Baustelle. Vor März 2013 wird es keine Starts geben. Foto: dpa

Der neue Hauptstadtflughafen, der an diesem Sonntag in Betrieb gehen sollte, ist nach wie vor eine Baustelle. Vor März 2013 wird es keine Starts geben. Foto: dpa

Von Steffi Dobmeier

BERLIN. Sie hat es aus dem Fernsehen erfahren. Auf der Pressekonferenz sagte der Flughafen-Chef, der Eröffnungstermin im Juni müsse verschoben werden – vor dem Fernseher saß Beatrice Posch und sagte gar nichts. Sie dachte an ihren Laden, 60 Quadratmeter, mitten im neuen Terminal. Dort wollte sie Spielzeug und Geschenkartikel verkaufen, Kindergeschirr und Babyartikel, Postkarten und Taschen.

Eine Stunde später klingelte das Telefon: Der Flughafenbetreiber wollte ihr die Situation persönlich erkären. Da war die Betriebswirtin aus Berlin längst vorgewarnt. „Die totale Katastrophe“, sagt Beatrice Posch, „und das drei Wochen vor der Eröffnung.“ Die Ware war bestellt, das Geschäft vollständig möbliert, sie hatte fünf Verkäuferinnen eingestellt. Und jetzt? Die Ware ist inzwischen storniert, über den Regalen liegen Decken und Planen zum Schutz, den fünf Frauen hat sie gekündigt. „Es bleibt mir ja nichts anderes übrig“, sagt die 40-Jährige.

Kopfschütteln über Politiker

Es hätte das ganz große Ding werden sollen. Eine neue Filiale am modernsten Flughafen Europas, mittendrin im geschäftigen Treiben von Touristen, Geschäftsreisenden und Besuchern. Ein bunter Laden, der „Die kleine Gesellschaft“ heißt, voller Geschenkideen. Sie hat schon „richtig viel Geld“ in das Projekt gesteckt, es sollte die dritte Filiale werden. Und nun das. Jetzt geht es um die Schadensbegrenzung. Ob jemand für den finanziellen Ausfall, für die Stornokosten und den ganzen Ärger aufkommt, ist noch unklar. „Es gebe kein Geld, um das aufzufangen, hat man mir gesagt“, so Posch. Sie hat einen Anwalt eingeschaltet. „Bringt ja nichts“, sagt sie.

Auch andere Unternehmen haben sich juristische Hilfe gesucht. Diejenigen, die an den Fughäfen Tegel und Schönefeld schon längst den Ausverkauf gestartet hatten, um die restliche Ware vor dem Umzug noch loszuwerden.


 

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