Per eCall schnell am Einsatzort
Ab 2015 sollen alle neuen Fahrzeugmodelle mit einem System ausgerüstet sein, das den Rettungsdienst automatisch bei einem Unfall ruft.
Standort, Zeitpunkt des Unfalls, Fahrgestellnummer und Fahrtrichtung: Diese Daten sollen mit dem eCall automatisch vom Unfallwagen aus an die Rettungsdienste weitergeleitet werden. Foto: dpa
Brüssel. Ein Wagen schleudert aus der Landstraßenkurve. Er schießt einen Abhang hinunter gegen einen Baum. Die Fahrerin – verletzt und bewusstlos im Auto. Weit und breit kein Mensch. Doch bereits im Moment als die Airbags sich aufblasen, hat sich automatisch eine Mobilfunkverbindung zwischen ihrem Wagen und der Notrufnummer 112 aufgebaut. Auch wenn die Insassin nicht über die Freisprechanlage antworten kann, erhält die Rettungsleitstelle aus dem Notrufgerät im Auto alle Infos, die sie für einen schnellen Einsatz braucht: Geokoordinaten des Unfallorts, Uhrzeit und Fahrgestellnummer zur Typbestimmung, um auf die mögliche Verletztenzahl bei Familienwagen oder Zweisitzer vorbereitet zu sein. Der Notruf lässt sich auch per Knopfdruck auslösen.
So soll das automatische Notrufsystem eCall ab 2015 in allen neuen Automodellen und leichten Nutzfahrzeugen serienmäßig in Europa funktionieren. Am Gesetz dazu arbeitet die EU-Kommission gerade. Damit die neue Technik in drei Jahren wirklich zum Einsatz kommt, müssen die Mitgliedstaaten ihre Notrufzentralen mit Computern zum Auslesen der eCall-Daten ausrüsten und das Personal schulen. Gestern machte das Europaparlament noch einmal Druck in diese Richtung.
Datenschützer geben grünes Licht
Schon seit 2005 wünscht sich Brüssel ein solches Notrufsystem. Auf dem Land würden die Retter doppelt so schnell am Unfallort sein können, rechnete die Kommission aus, in der Stadt bräuchten sie 40 Prozent weniger Zeit. Doch freiwillig kam kaum etwas bei Autoherstellern und Mitgliedstaaten in Gang.
Daher startete die Kommission 2010 die Gesetzesmaschine: 2011 verpflichteten sich die Mobilfunkbetreiber, eCalls mit Vorrang weiterzuleiten und zu kennzeichnen, ob manuell oder automatisch ausgelöst. Laut Richtlinie für intelligente Verkehrssysteme müssen sich die Mitgliedstaaten an europaweite Standards halten, damit die Notrufzentralen in ganz Europa die eCall-Daten aus jedem Auto lesen können. Auch die Türkei, Kroatien, die Schweiz und Norwegen machen mit.

