Politik 06.07.2012, 20:26 Uhr

Der Papst gab ihm sogar seine Wohnung

Glaubenspräfekt Gerhard Ludwig Müller ist in Rom gut angekommen. Den Piusbrüdern zeigt er im Interview mit Christine Schröpf erste Grenzen auf.

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Gelöst und locker: Erzbischof Gerhard Ludwig Müller scherzt bei seiner Rückkehr auch über eigene kleine Schwächen. Foto: altrofoto.de

Gelöst und locker: Erzbischof Gerhard Ludwig Müller scherzt bei seiner Rückkehr auch über eigene kleine Schwächen. Foto: altrofoto.de

Regensburg. Locker und gelöst kehrt Erzbischof Gerhard Ludwig Müller knapp eine Woche nach seiner Ernennung zum Präfekten der römischen Glaubenskongregation ins Bistum Regensburg zurück. Eine Serie von Interviews für Journalisten stehen am Freitag auf der Agenda: zur Befreiungstheologie, den Piusbrüdern und zur Lage wiederverheirateter Geschiedener. Minenfelder für einen Kirchenmann, der nun in der Vatikan-Reihenfolge auf Platz 3 gerückt ist.

Erzbischof Müller, zunächst einmal Gratulation zur neuen Aufgabe. Seit wann wussten Sie über Ihre Berufung Bescheid?

Definitiv gewusst habe ich es am 16. Mai, als der Heilige Vater mich zu sich einbestellt hat.

Hat Ihr Eintreten für die Befreiungstheologie Ihre Ernennung gefährdet?

Das weiß ich nicht. Wenn man den katholischen Glauben kennt, weiß man, dass die Sozialverpflichtung, die Weltverantwortung, die Liebe zu den Armen wesentlich dazugehört. Befreiungstheologie ist ein großes Wort – aber jede christliche Theologie hat etwas mit der Freiheit des Menschen zu tun. Auch in Südamerika geht es in diesem Kontext um theologische Fragen: Angesichts des Elends und der Entwürdigung, die sich viele Menschen bei uns sich gar nicht vorstellen können, angesichts dieses schreienden Unrechts, können wir nicht einfach mit einem frommen Augenaufschlag darüber hinweggehen. Glauben und das Gute tun gehören zusammen. Das sind die zwei Seiten einer Münze.

Da sind Sie mit dem Papst einer Meinung? Vollkommen einer Meinung. Er hat ja als mein Vorvorgänger in der Glaubenskongregation nicht die Befreiungstheologie in ihrer Gänze in Frage gestellt, sondern einige Aspekte, was ich voll unterstreiche. Befreiungstheologie ist nicht etwa eine lockere Mischung aus Kommunismus und katholischem Glauben. Theologie, wenn sie katholisch sein will, muss aus dem Eigenen heraus eine Antwort finden. Die Soziallehre der katholischen Kirche hat sich als der marxistischen Analyse weit überlegen erwiesen. Wir wollen keine Gesellschaft, die in Reich und Arm getrennt ist, und in der die einen Zugang zu Bildung haben, und die anderen nicht. Arbeitnehmer und Arbeitgeber dürfen nicht gegeneinander auftreten als reine Interessengruppen, sondern sie sind alle dem Gemeinwohl verpflichtet. Auch gegenüber der um sich greifenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche müssen wir kritisch sein: Die Wirtschaft ist für den Menschen da, und nicht umgekehrt.


 

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