Politik 13.07.2012, 19:59 Uhr

Schäuble verteidigt Krisenkurs

Im MZ-Interview mit unserem Berlin-Korrespondenten Reinhard Zweigler empfiehlt der Bundesfinanzminister den Kritikern der Euro-Politik, genau hinzusehen.

„Die deutschen ESM-Risiken sind klar definiert und begrenzt“, sagt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Foto: dpa

„Die deutschen ESM-Risiken sind klar definiert und begrenzt“, sagt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Foto: dpa

Berlin. Berlin. Herr Schäuble, worüber machen Sie sich mehr Sorgen: über ein Scheitern des ESM in Karlsruhe oder darüber, dass 700 Milliarden Euro des Rettungsmechanismus am Ende nicht ausreichen könnten, um notleidende Staaten wie Spanien oder Italien vor der Pleite zu bewahren?

Das beste Rezept gegen „Sorgen machen“, was ja nichts löst, ist, dass man die Probleme angeht. Und genau das tun Spanien und Italien. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn die Reformen der letzten Monate in Italien auch schon zu Zeiten der Regierung von Silvio Berlusconi angegangen worden wären oder man in Spanien früher gegen die Immobilienblase vorgegangen wäre, aber in der Rückschau ist man immer klüger. Wichtig ist, dass in den Ländern, die besonders im Fokus der Finanzmärkte stehen, jetzt und schnell all das gemacht und umgesetzt wird, was notwendig ist – und das passiert ja! Das haben wir ja erst wieder am Mittwoch in Spanien gesehen, als Ministerpräsident Rajoy ein umfassendes und einschneidendes Reformpaket angekündigt hat.

Also keine Sorge vor den Karlsruher Richtern?

Was die anstehende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts betrifft, so bin ich nach der Verhandlung am Dienstag ganz zuversichtlich. Ich finde es gut, wie tief sich das Gericht in die Materie gekniet hat und hoffe auf eine baldige Bestätigung unserer Position.

Haben die Verfassungsrichter genügend ökonomischen Sachverstand, um eine vernünftige Entscheidung in Sachen ESM und Fiskalpakt treffen zu können?

Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner langen Geschichte bewiesen, dass es über sehr hohen Sachverstand verfügt und – soweit erforderlich – kann es sich immer auch externen Sachverstand zu Hilfe holen.

Wie groß ist die Gefahr, dass der ESM nicht doch zu einer „Bad Bank“ wird, der Staatsanleihen von Schuldenstaaten aufkaufen muss, wie das die EZB allerdings bereits tut?


 

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