Wirtschaft 04.07.2012, 20:53 Uhr

Banken-Professor sieht Europa auf Crash-Kurs

Wolfgang Gerke warnt auf Auto-Kongress vor einer Massenkarambolage. Die vollzogene Schuldenpolitik sei ein „Treppenwitz“.

Warnte vor der Schuldenpolitik: Bankenexperte Wolfgang Gerke Foto: dpa

Warnte vor der Schuldenpolitik: Bankenexperte Wolfgang Gerke Foto: dpa

von Bernhard Fleischmann, MZ

Ingolstadt. Europa betreibt in der Euro-Schulden- und Finanzkrise eine „ganz gefährliche Politik“. „Ich glaube, dass es zu einer Massenkarambolage kommt“, schlug Professor Wolfgang Gerke gestern in Ingolstadt Alarm.

Die Beschlüsse des jüngsten Krisengipfels nannte der Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums „völlig verrückt“, der Bundestag habe unmittelbar im Anschluss daran mit den Gesetzen zum Fiskalpakt und zum ESM ein „Entmächtigungsgesetz durchgepeitscht“.

Falsch herum in die Einbahnstraße

Was die Politik derzeit betreibe, sei eine völlige Fehlentscheidung des Fahrers, versuchte sich der Finanzexperte in der Sprache der Autoindustrie. Gerke hielt einen Vortrag beim Auto-Zulieferkongress in Ingolstadt.

Sie steuere in eine Einbahnstraße hinein, und das auch noch in der falschen Richtung. Dabei sollte sie lieber aufwachen und eine Vollbremsung einleiten. Doch das Gegenteil geschehe, das Schuldenpedal werde voll durchgetreten. Die Auswirkungen dieser Politik spüre bereits der deutsche Steuerzahler und Sparer, der über Minizinsen, die unter der niedrigen Inflationsrate liegen, täglich auf dem Konto ärmer werde und auf diese Weise die Schuldenpolitik mitfinanziere.

Europa vollziehe einen Paradigmenwechsel, der sich an den USA orientiere. Dort hat die Notenbank traditionell andere Prämissen als etwa die EZB. Die US-Notenbank habe immer mit Geld ausgeholfen, um Wachstum zu fördern, um den Staat zu finanzieren. „Das war eine staats- und geldpolitische Fehlentwicklung. Das Resultat ist bekannt“, erinnerte Gerke an die von den USA ausgegangene Finanzkrise. „Und diese Politik übernehmen wir nun“, schimpfte der Finanzexperte.

Als Griechenland in Schwierigkeiten geriet, wären ein Schuldenschnitt und ein Austritt aus dem Euro das richtige Rezept gewesen, meint Gerke. Das wäre auch im Sinne der Griechen gewesen, aber nun mal nicht im Interesse von Banken etwa in Frankreich oder Deutschland. Die Entscheidung für den anderen Weg sende nun falsche Signale an andere Länder. Ein besonders bitteres Ergebnis: „Jetzt haben wir den reicheren Griechen geholfen, ihre Euros aus dem Land zu schaffen und ersetzen das dort mit Geld des deutschen Steuerzahlers. Ein Treppenwitz“, erregte sich Gerke.

 

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