„Russland braucht Marktwirtschaft“
Keine Alternative zur sozialen Marktwirtschaft sieht Prof. Ruslan Grinberg für Russland. Der Direktor des größten Wirtschafts-Instituts des Landes an der Moskauer Akademie für Wissenschaften warb in Regensburg für Investitionen in sein Heimatland.
Was führt den Chef des größten russischen Wirtschaftsinstituts nach Regensburg?
Grinberg: Ich will hier am Osteuropa-Institut für Vertrauen in die russische Marktwirtschaft werben. Wir brauchen Investitionen, um schneller aus der Krise zu kommen.
Investieren ist schwer, wenn zu den räumlichen und kulturellen Distanzen eine handfeste Krise dazu kommt…
Grinberg: Verglichen mit der Lage in unserem Land steht Bayern sehr gut da. Was uns eint, ist die Krise mit einer sinkenden Nachfrage und nicht ausgelasteten Kapazitäten. In Russland kommt jedoch noch eine massive Inflationsrate von rund 14 Prozent hinzu. Die Kreditzinsen liegen teilweise noch höher.
Vor solchen Preisanstiegen zittern auch die Deutschen…
Grinberg: Mit Recht. Die Krise hat in Russland eine gerade aufblühende Schicht an Erzeugern rapide zunichtegemacht. Wir haben wieder Monopole in relevanten Bereichen von Energie bis Lebensmittel. Dort wird versucht, sinkende Einnahmen durch höhere Preise zu kompensieren. Während das im Gasmarkt momentan nicht möglich ist, geht der Preisanstieg zum Beispiel bei Nahrungsmitteln vielen Russen buchstäblich an die Existenz.
Wird da nicht der Ruf nach dem starken Staat laut?
Grinberg: Diesen Ruf gibt es aktuell in vielen Ländern. Die Russen wollen jedoch keine Kommandowirtschaft mehr – aber natürlich auch keine Anarchie. Es bleibt eigentlich nur noch die soziale Marktwirtschaft als System für die russische Zukunft.

