Wirtschaft 20.01.2012, 21:44 Uhr

Umdenken kam zu spät

Das Programm „Fit for Future“ sollte den Konzern retten. Das zu große Filialnetz brachte den Drogerieriesen mit zu Fall.

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        Den Schlecker-Eignern wird ein Mitschuld am Niedergang unterstellt.

Den Schlecker-Eignern wird ein Mitschuld am Niedergang unterstellt.

Ehingen. Fahles Neon-Licht, leere Schaufenster, einige alte Regale in der Ecke. Eine geschlossene Schlecker-Filiale im Stuttgarter Westen steht für die Misere von Deutschlands größter Drogeriekette. Die Krise des Familienunternehmens erreicht am Freitag ihren vorläufigen Höhepunkt, denn Schlecker geht in Planinsolvenz. Dabei hatten die Kinder von Unternehmensgründer Anton Schlecker, Meike und Lars, doch gerade erst so viel frischen Wind in das ziemlich angestaubte Imperium ihres Vaters Anton gebracht.

Während die Konkurrenten dm aus Karlsruhe und Rossmann aus dem niedersächsischen Burgwedel wuchsen und wuchsen, ist Schlecker seit geraumer Zeit in einer Schrumpfkur. Branchenkenner hatten der bisherigen Nummer eins bereits wenig Chancen eingeräumt, als sie vergangenes Jahr ihr neues Konzept vorstellte. Schlecker sollte heller, freundlicher, großzügiger werden, die Mini-Läden an jeder Ecke mit nur einer Verkäuferin der Vergangenheit angehören.

230 Millionen sollten in eine Umstrukturierung gesteckt werden

230 Millionen Euro wollten Meike und Lars Schlecker in die Hand nehmen, um zunächst rund 700 Filialen umzubauen. Dennoch wollten sie den ursprünglichen Ansatz ihres Vaters nicht aufgeben, möglichst auch in kleinen Orten und nicht nur in den großen Fußgängerzonen präsent zu sein. „Wir wollen ein guter Nachbar sein“, erklärte Lars Schlecker im Februar 2011 zuversichtlich. Doch letztlich ist das wohl das größte Problem des Konzerns: ein riesiges Filialnetz, bei dem manchmal Filialen nur wenige hundert Meter entfernt zu finden waren - mit einem ganz ähnlichen Sortiment.

Genau diese defizitären Läden machten den Ehingern zu schaffen - obwohl die Neueröffnungen teils bis zu 30 Prozent mehr Umsatz brachten, wie die Schleckers immer wieder betonten. „Die Entscheidung, diesen Schritt zu gehen, ist auch gefallen, weil wir an das neue Konzept glauben“, sagt ein Unternehmenssprecher. Deshalb gehe es nun auch in die Planinsolvenz, „um die Gläubiger dafür zu gewinnen“. Ein Insolvenzverwalter werde dabei beratend zur Seite stehen, und für die Mitarbeiter seien drei Monate Insolvenzgeld gesichert.

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