Wirtschaft 27.04.2012, 21:01 Uhr

Zwei Oberpfälzer als Unternehmer in Spanien

Thomas Kaiser kämpft, Harald Sandners Radsport-Firma boomt.

Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Madrid/Regensburg. Die Krise traf Thomas Kaiser mit voller Wucht. Gerade als er sich mit einem Unternehmen für Biogas-Anlagen in Spanien selbstständig gemacht hatte, verschlechterte sich in dem Land das wirtschaftliche Klima. Vier Jahre kämpfte er mit seiner Familie um die neue Existenz, dann kehrte er zurück in seine Bar „Tapas“ nach Regensburg. „Im Moment ist die Situation in Spanien dramatisch schlecht“, fasst Kaiser am MZ-Telefon seine Erfahrungen zusammen. „Finanzierungen sind nur ganz schwer zu bekommen und die neue Regierung unter Mariano Rajoy hat dazu noch sämtliche Förderungen für erneuerbare Energien gestrichen.“ Und so fehlt es der Branche an Kunden. Doch es scheint, sagt der Regensburger, als würde zumindest auf dem Sektor Biomasse und Biogas die Kürzung der Förderungen zurückgenommen. „Wir hoffen es.“

Sein Unternehmen in Spanien hat Kaiser bis auf Weiteres auf Eis gelegt und den Lebensmittelpunkt seiner Familie vom Mittelmeer an die Donau zurückverlegt. „Wir leben derzeit von der Tapasbar“, sagt der Unternehmer. Dennoch hofft er, dass sein spanisches Unternehmen irgendwann doch noch Erfolge verbuchen kann.

Sehr glücklich in Spanien ist dagegen Harald Sandner. Vor drei Jahren ist er mit seiner Frau Carmen von Reichenbach (Lkr. Cham) auf die Ferieninsel Mallorca umgesiedelt. Dort betreibt der ehemalige technische Angestellte in der Anlagenplanung bei BMW die Firma Rad International. „Bei uns boomt es gerade“, sagt der Vater einer kleinen Tochter. Im Vergleich zum vergangenen Jahr verzeichne er eine Steigerung von etwa 40 Prozent. Sandner ist mit seinem Unternehmen auf Radsportreisen spezialisiert. „Der Hauptteil unserer Gäste kommt aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.“ Die Nachfrage sei extrem ansteigend. „Das kann aber auch daran liegen, dass wir viel in neue Räder investiert und unsere Firma stark verjüngt haben“, sagt Sandner. Weil das Geschäft so gut läuft, sind die Oberpfälzer zum spanischen Arbeitgeber geworden. Vier Mallorquiner beschäftigen die Sandners mittlerweile in ihrem Betrieb. Sie setzen ganz bewusst auf spanische Mitarbeiter und nicht auf aus Deutschland importierte Saisonkräfte. „Wir leben hier, wir arbeiten hier, damit haben wir auch Verantwortung – die wollen wir erfüllen“, sagt Harald Sandner.


 

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