Wirtschaft 29.04.2012, 14:01 Uhr

Google-Mitarbeiter fing WLAN-Daten bewusst ab

Das Abgreifen der WLAN-Daten durch Googles Kameraautos sorgte für Empörung. Jetzt steht fest: Dahinter steckte Absicht.


        Für das Projekt „Street View“ fotografierte Google mit Kameraautos Straßen. Dabei wuden auch WLAN-Stationen registriert.

Für das Projekt „Street View“ fotografierte Google mit Kameraautos Straßen. Dabei wuden auch WLAN-Stationen registriert.

New York. Die Untersuchung der amerikanischen Telekom-Behörde FCC zu den WLAN-Mitschnitten durch Googles Street-View-Autos wirft neue Fragen auf. Demnach wurde die Software dafür bewusst von einem einzelnen Google-Mitarbeiter geschrieben. Er habe gedacht, dass mit Hilfe von Informationen wie zum Beispiel Suchanfragen möglicherweise die Internet-Suche verbessert werden könne, geht aus dem am Wochenende aus dem von Google offengelegten FCC-Bericht hervor. Bisher ging man davon aus, dass die Daten durch einen Fehler im Software-Code abgegriffen wurden.

Die Kameraautos, die Aufnahmen für den Google-Straßenatlas Street View machten, registrierten auch die Position von WLAN-Stationen, um später den Google-Anwendern eine genauere Ortung zu ermöglichen. Dabei fing die Software allerdings von 2008 bis 2010 auch unverschlüsselte Informationen aus diesen Netzen selbst ab. Google sprach zunächst von einem Versehen, bei dem nur Datensplitter gespeichert worden seien. Bei einer ausführlichen Prüfung wurden aber teilweise auch E-Mails und andere Inhalte in den gespeicherten Daten gefunden.

Nirgendwo im Konzern läuteten Alarmglocken

Nach Erkenntnissen der FCC soll der Software-Entwickler sich auch mindestens einmal gesammelte Daten angesehen haben, um nach oft besuchten Websites Ausschau zu halten. Erst als ihm ein Mitarbeiter des Suchmaschinen-Bereichs gesagt habe, solche Informationen hätten für Google keinen Wert, habe er die Idee aufgegeben.

Der Bericht wirft vor allem die Frage auf, wie es passieren konnte, dass ein einzelner Mitarbeiter unbehelligt seine streitbare Idee umsetzte, ohne dass irgendwo im Konzern die Alarmglocken läuteten. Der Software-Entwickler soll demnach zwei weiteren Mitarbeitern – darunter auch einem Verantwortlichen – von seinem Plan berichtet haben. Zudem habe er 2006 eine E-Mail an das gesamte Street-View-Team geschickt, in der seine Pläne erläutert wurden. Keiner konnte sich mehr daran erinnern, diese Information wahrgenommen zu haben.


 

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