Wirtschaft 07.05.2012, 20:57 Uhr

Die Gestalter der Zukunft

Gründer- und Technologiezentren müssen sich weiterentwickeln und mit der Wissenschaft vernetzen.

Von Bernhard Fleischmann, MZ

Regensburg . Das glänzende Beispiel liegt nah: Vor rund zehn Jahren startete Geneart im Regensburger Biopark auf 125 Quadratmetern. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen hier 200 Mitarbeiter und wurde von Life Technologies aufgekauft. „Geneart ist das Beispiel für eine erfolgreiche Gründung. Es ist eine Bill-Gates-Geschichte der Biotechnologie“, hob Dr. Thomas Diefenthal gestern bei einem Pressegespräch hervor. Der Geschäftsführer des Bioparks ist Mitglied des Vorstands des Bundesverbands Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren (ADT), der von Sonntag bis heute seine Frühjahrstagung in Regensburg abhält.

Dabei geht es vor allem um die Frage, was Technologiezentren im Jahr 2020 bieten müssen, um erfolgreich zu sein. Die vorhandenen Erkenntnisse darüber klingen wenig revolutionär: Für den Präsidenten des ADT-Bundesverbands, Dr. Bertram Dressel, steht zumindest soviel fest: „Fernab von der Wissenschaft geht es schlecht.“ Will heißen, die Verknüpfung von Unternehmen und Hochschulen sei ein entscheidender Faktor. Darüber hinaus seien Betreuung der Unternehmen und Netzwerkaktivitäten von hohem Wert. „Nur Flächen zur Verfügung zu stellen, das kann man vergessen.“ So seien ehedem viele Gründerzentren gestartet – Vergangenheit.

Funktionierende Technologiezentren genießen in den Augen des IHK-Hauptgeschäftsführers Dr. Jürgen Helmes einen hohen Stellenwert: „Hier wird die Zukunft gestaltet.“ Gesunde und technologisch führende Unternehmen vor Ort müssten eingebunden werden eingedenk der Tatsache, dass dort die Hälfte der Produkte, die in fünf Jahren verkauft werden sollen, noch gar nicht entwickelt sind. Die Zentren trügen dazu bei, das hohe Innovationstempo zu halten. In Helmes‘ Augen steht der Staat in der Pflicht, mit Fördermitteln nicht zu geizen.

Da mag der Blick in die nahe Zukunft einen Einfluss haben: Regensburg plant den Bau eines Technologiecampus mit integriertem Technologiezentrum. Das ganze Projekt bietet 120000 Quadratmeter Platz, erklärte der Regensburger Referent für Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen, Dieter Daminger, der schon mal zwölf Millionen Euro in den städtischen Haushalt dafür eingestellt hat. Einige 1000 Quadratmeter davon seien als Forschungsverfügungsfläche vorgesehen. Wichtig dabei sei, dass nachhaltig gedacht werde, sprich: Solche Zentren sollen langfristig existieren und auch dann weiterleben können, wenn die Fördermittel auslaufen.

Entscheidend ist ebenso, dass es den Unternehmen gutgeht. Das sei zum Beispiel bei Gründungen in solchen Zentren der Fall, sagt Dressel. Rund 13000 Firmen hätten Gründer- und Technologiezentren in Deutschland als quasi erwachsene Unternehmen verlassen. Fünf Jahre später „lebten“ noch mehr als 90 Prozent von ihnen. Diese Rate betrage ohne diese Startbedingungen weniger als 50 Prozent.


 

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