Wirtschaft 20.05.2012, 19:57 Uhr

Ein Kompromiss, mit dem alle gut leben können

Geld, Ausbildung, Leiharbeit: Die Einigung an allen drei Fronten bedeutet für die Metaller ein wichtiges Signal. Am Ende zählte Pragmatismus.


        Die Gefahr von Streiks in der deutschen Schlüsselbranche ist durch die Tarifeinigung gebannt.Foto: dpa

Die Gefahr von Streiks in der deutschen Schlüsselbranche ist durch die Tarifeinigung gebannt.Foto: dpa

Von Heiko Lossie und Oliver Schmale, dpa

Sindelfingen. Bei genauer Betrachtung steht nicht mal eine Vier vor dem Komma und auch bei den Themen Leiharbeit und Azubis hat sich die IG Metall ein blaues Auge geholt. Die Bilanz ihres Abschlusses im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg ist durchwachsen. Selbst in der offiziellen Pressemitteilung nach dem Durchbruch vom Samstag räumen die Metaller ein, dass vor allem beim Zankapfel Leiharbeit deutlich mehr drin gewesen wäre. Es scheint ganz so, als habe sich die mitgliederstärkste deutsche Arbeitnehmerorganisation mit ihrem Kampf an den drei Fronten zu viel vorgenommen und es am Ende keinem so richtig recht gemacht.

Kann- statt Muss-Regelungen

Entsprechend verhalten fielen die ersten Reaktionen im Internet aus. „Faule Kompromisse“, wetterten die einen beispielsweise auf der IG-Metall-Seite im Netzwerk Facebook, „Klingt nicht schlecht“, lobten andere zurückhaltend. Von Euphorie war in der Summe fast keine Spur.

Das ließ sich auch an den Mienen der Gewerkschaftsbosse Berthold Huber und Bezirksleiter Jörg Hofmann ablesen, als sie am Morgen nach dem 18-stündigen Verhandlungsmarathon vor die Presse traten. Sie wirkten zwar gelöst – wahre Freude war in ihren Gesichtern aber nicht abzulesen. Für gewöhnlich wissen beide Seiten den Abschluss für sich als Erfolg auf ganzer Linie darzustellen. Doch in Hubers Stellungnahme mischten sich auch andere Töne, zum Beispiel beim Thema Leiharbeit. „Die Fortschritte hier hätten dennoch deutlicher ausfallen können“, merkte er an. „Tarifverhandlungen sind kein Wunschkonzert.“ Zwar bleibe eine Menge Halbgelöstes und Unerreichtes auf der Agenda. Aber fest stehe: „Wir haben einen tragfähigen Kompromiss erreicht.“

Wäre es nach der Gewerkschaft gegangen, hätten den Arbeitgebern bei der Leiharbeit künftig echte Daumenschrauben angelegt werden sollen.


 

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