Ein ganzer Raum wird in Bewegung gesetzt
Junge Tänzer aus ganz Bayern begeistern mit ausdrucksstarken Soloproduktionen.
Bei drei ist immer einer zu viel: Teresa Geßner aus Augsburg mit ihrer Soloproduktion „3.1“ in Regensburgs Alter Mälzerei. Foto: altrofoto.de
REGENSBURG. Es wäre ein Fehler, sie vergleichen zu wollen. Sechs junge Tänzer aus Bayern zeigten am Sonntagabend bei den Tanztagen Regensburg ihre durchweg preisgekrönten Soloproduktionen. Und dabei ging es sowohl inhaltlich als auch tänzerisch rein um das Individuum. Um seine Traumwelten wie in Johannes Härtls „Bei Nacht“, um Schicksale wie das eines jüdischen Waisenkindes in Marie Preusslers „Mayim Mayim“ oder in Berenika Kmiecs „Fucking Brain“, die tänzerisch und mimisch ein packendes Bild der Parkinson-Krankheit bot.
Ich-bezogen und damit noch dichter dran am diesjährigen Thema „Solo und Duett“ waren die Darbietungen von Eva Eger in „Souldead“, von Teresa Geßner in „3.1“ und von Yvonne Kalter in „Gratwanderung“.
Alles in allem sechs unverwechselbare Tanzperformances, die sich aber doch in einem sehr ähnlich waren. Es sind reife tänzerische Leistungen, die Bayerns junge Tänzer dort zeigten. Federleichte Bewegungsabläufe, dramaturgisch durchdacht und technisch auf beeindruckendem Niveau. Die Nähe zum Publikum im Theaterraum der Alten Mälzerei tat ihr Übriges. Da wurde nicht einfach getanzt, sondern ein Raum in Bewegung gesetzt.
Und dabei war es egal, welchem tänzerischen Genre sich die Künstler verpflichtet hatten. Aus Regensburg kamen zwei Produktionen, die stark in Richtung Tanztheater gingen: Bei Berenika Kmiec nahm das Mimische und das Narrative deutlich mehr Raum ein als klassisch tänzerische Elemente. Zu den Klängen von Fred Astair, C+C Music Factory und Luciano Pavarotti bezieht sie alle Elemente des Körperausdrucks mit ein und arbeitet als einzige neben Kostüm auch mit Requisiten.
Die Bühne ist dunkel. Berenika Kmiec spannt ein Seil von einem Infusionsgalgen zu sich. Dort entlang entwickelt sie weiche, lebensfrohe Bewegungen, die immer wider in Grimassen und schockartige Starren münden bis hin zum haltlosen Zittern gekettet an die Infusion. Das Prägnante an diesem Tanztheater ist seine Kürze. Die Struktur, mit der es seine Dramaturgie verfolgt und eine Geschichte erzählt.

