Kultur 06.01.2011, 22:01 Uhr

Einer, der mit dem Jazz die Menschen erreichte

Richard Wiedamann hatte eine Botschaft und arbeitete zeitlebens hart daran, sie zu vermitteln. Am Donnerstag ist er gestorben.

Richard Wiedamann bei der Eröffnung des Jazz-Weekends 2009 (Foto: Archiv/altrofoto.de)

Richard Wiedamann bei der Eröffnung des Jazz-Weekends 2009 (Foto: Archiv/altrofoto.de)

Von Manfred Sauerer, MZ

Regensburg. Seine letzte Videobotschaft im Internet hatte es in sich. Es sei skandalös, dass in diesem Jahr keine Kulturförderpreise vergeben wurden, teilte er anlässlich seiner eigenen Auszeichnung als Kulturpreisträger klipp und klar mit. Richard Wiedamann war nie einer, der bequem war. Schon gar nicht, wenn es um seine Herzensangelegenheiten ging: den Jazz und die Kultur als solche.

Heute, am Dreikönigstag, ist Richard Wiedamann im Alter von 78 Jahren gestorben. Mit dem Musiker, Komponisten, Musikschulleiter, Kulturvermittler und Begründer von Jazzweekend und Bayerischem Jazz-Institut verlieren die Stadt Regensburg und das Land Bayern ein kulturelles Schwergewicht. Einen Kämpfer, der unbequeme Wahrheiten aussprach. Aber vor allem einen, der es auf begeisternde Weise verstand, die Kultur – und hier speziell den Jazz – als prägenden Faktor unserer Gesellschaft zu etablieren. Oder in seinen Worten: „Ich verfolge ein ganzheitliches Konzept, nämlich musikalisches Bewusstsein ohne Scheuklappen mit menschlichen Werten zu verbinden.“

„Jazz ist Demokratie“

Sein Konzept ist aufgegangen und er hat dabei zugeschaut. Nicht in vorderster Front, sondern lieber im Hintergrund, meist in einen hellen Anzug gekleidet und mit einem leise verschmitzten Lächeln im Gesicht. Und wenn der internationale Groove des Jazz-Weekends die Leute erfasste, dann wusste er, dass da gerade mehr stattfindet als reine Unterhaltung. „Jazz ist Demokratie“, sagte Richard Wiedamann. Respekt, Toleranz, Offenheit, Kreativität, Zusammenarbeit, Engagement – all diese Werte prägten seine Lebenshaltung. Und all dies fand er als nonverbale Botschaft im Jazz verkörpert und verbreitet.

Dabei kam er selbst eher zufällig zu seinem Lebensinhalt: Es war eine geschenkte Karte, die den klassisch ausgebildeten Pianisten Richard Wiedamann 1952 in ein Louis-Armstrong-Konzert nach München lockte. Von da an hatte ihn der Virus gepackt und er tat alles dafür, um ihn weiterzuverbreiten.

 

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