„My Generation“ zeigt: Es ist nie zu spät für Rock’n’Roll
Experten diskutierten in Alteglofsheim über Musik und das Alter(n).
Alteglofsheim.
Die Alterung unserer Gesellschaft und die dadurch bedingten Veränderungen und Entwicklungen sind gesellschaftliches Dauerthema. In Medien und an Stammtischen werden unterschiedlichste Aspekte diskutiert. Musik hat in diesem Konzert bisher – wenn überhaupt – eine nebensächliche Rolle gespielt. Dabei hat vor wenigen Jahren ein Video der englischen Band „The Zimmers“ (Die Gehhilfen) auf You Tube Klickrekorde eingefahren. Ihre Version des Who-Songs „My Generation“ wurde Millionen Male aufgerufen. Durchschnittsalter der Mitglieder damals: 78 Jahre.
Mit Musik erreicht man ältere und alte Menschen oft selbst dann noch, wenn sie sonst kaum mehr ansprechbar sind. Dennoch sind Musiktherapie und pädagogische Ansätze noch selten. In Heimen dominieren passive Angebote mit Heimatmusik und Schlager. Damit wird man künftig sicher nicht mehr auskommen. Bei Alten, die ihre Sozialisation mit Elvis Presley, den Beatles und Frank Zappa erfahren haben, landet man damit keinen Stich.
Deshalb hat der Bayerische Musikrat seine jährliche Arbeitstagung heuer unter das Motto „Musik kennt keine (Alters-)Grenzen“ gestellt. Endlich!, möchte man seufzen, denn in der Praxis ist dieses Diktum einerseits längst gelebte Realität, andererseits gibt es enorme Lücken bei der Beschäftigung Älterer mit Musik. In der Musikakademie Alteglofsheim, wo die Tagung stattgefunden hat, informierte Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates, bei einem Podiumsgespräch über die Initiative „Es ist nie zu spät: Musizieren 50+“.
Diese ist 2007 mit der so genannten „Wiesbadener Erklärung“ über die aufkommende Altersgesellschaft entstanden. Politisch Verantwortliche werden darin aufgefordert „einen Masterplan „Musizieren 50+“ zu entwerfen“. Ausgangspunkt ist die Erfahrung, dass „die Möglichkeiten zum Erfahren von und zur Beschäftigung mit Musik für die Älteren signifikant unterentwickelt (sind). Zudem“, heißt es weiter, „fehlt es meistens an geeigneten Bedingungen für musikalische Betätigungen in den Alteneinrichtungen.“ Höppner skizzierte die aktuelle Lage vorsichtig optimistisch. Die Hochschulen seien dabei, den bisherigen Stillstand „zunehmend zu überwinden“ und auch bei den Medien tue sich einiges.

