Kultur 20.05.2012, 19:17 Uhr

Der lustvolle Lebemann und sein irrwitziges Spiel

Intendant Ernö Weil verabschiedet sich mit einem wunderbaren „Falstaff“: Viel Applaus gab es bei der Premiere für seine Verdi-Inszenierung.

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        Falstaff (Johannes Schwärsky, r.) schickt Liebesbriefe an zwei Damen.

Falstaff (Johannes Schwärsky, r.) schickt Liebesbriefe an zwei Damen.

Von Gerhard Dietel, MZ

Regensburg. Ein Hauch von Abschiedsstimmung liegt in der Luft. Denn dies ist die letzte Inszenierung Ernö Weils, des scheidenden Regensburger Intendanten im Haus am Bismarckplatz. Aber damit so etwas wie Wehmut gar nicht erst aufkommen kann, steht bewusst Heiteres auf dem Programm: Verdis Commedia lirica „Falstaff“, mit deren Bühnen-Realisation sich Weil einen Herzenswunsch erfüllt und zugleich dem hiesigen Opernpublikum einen beschwingten, gleichermaßen sehens- wie hörenswerten Theaterabend beschert.

Aus ihrem angestammten Milieu haben Weil und Karin Fritz, die für Ausstattung und Kostüme verantwortlich zeichnet, die auf Shakespeares „Lustigen Weibern von Windsor“ basierende Handlung in neuere Zeiten versetzt. Falstaffs Domizil, der „Gasthof zum Hosenband“, hat sich zum noblen Golfhotel verwandelt, wo die Upper Class auf dem Green den Schläger schwingt. Sogar einen leibhaftigen Rolls Royce darf das Publikum im Anfangsbild auf der Bühne bestaunen. Allerdings: die Verwandlung zur nächsten Szene dauert an diesem Premierenabend bedenklich lange.

Genussmensch mit Schwächen

Ein wenig rätselhaft bleibt, wie es den Ritter John Falstaff in dieses Ambiente verschlagen hat, der doch ein bisschen verlebt und heruntergekommen wirkt. Der Bass-Bariton Johannes Schwärsky gibt ihm stimmlich wie darstellerisch sehr überzeugende Figur.

Als dem Wein und den Zigarillos zugeneigten Genussmenschen zeichnet Schwärsky den Falstaff, der trotz sichtbarem Embonpoint Agilität und Gewitztheit nicht verloren hat und schon einmal, erotische Genüsse erhoffend, ein Bärentänzchen vollführt.

Eitelkeit, welche ihn seine Attraktivität überschätzen lässt, ist seine schwache Seite, so dass er leicht zum Opfer von Foppereien wird. Seine Stärke dagegen ist ein Philosophengemüt, das ihn jenseits aller Rache-Allüren Niederlagen stoisch ertragen lässt.


 

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