Kultur 06.07.2012, 21:50 Uhr

Ein Kratzen an der Oberfläche

Lisa Ohlin hat Marianne Fredrikssons Bestsellerroman „Simon“ verfilmt. Fahrig und oberflächlich wirkt vieles an diesem Film.

Bill Skarsgard spielt den heranwachsenden Simon. Foto: Farbfilm

Bill Skarsgard spielt den heranwachsenden Simon. Foto: Farbfilm

von Gabriele Mayer, MZ

Regensburg . Literaturverfilmungen erzeugen beinahe notwendigerweise Unzufriedenheit bei den Zuschauern, die die Buchvorlagen kennen. Die Enttäuschung an der Übersetzung ist, auch wenn durch den Film interessante neue Aspekte in Erscheinung treten, zunächst eine grundlegende: Die inneren Bilder, die man sich lesend konfiguriert hat, werden durch den Film mit einer fremden Visualisierung konfrontiert.

Außerdem: Filme und Romane sind unterschiedlichen Strukturen und Gesetzen unterworfen. Ein Roman besteht nicht nur aus Dialogen, die von den Schauspielern gesprochen werden können, sondern aus Beschreibungen, Erklärungen, Reflexionen. Ein Film besteht aus Bildern, Einstellungen, Schnitten. Eine Literaturverfilmung muss, je umfangreicher der Text ist, umso mehr kürzen. Aber der Film muss, auch für den Zuschauer, der das Buch nicht kennt, einen Sinn ergeben.

Schon die Eingangssequenz von „Simon“ von Lisa Ohlin ist unergiebig. Der Junge Simon sitzt auf seinem Baumhaus, tagträumend, sich wegträumend. Der Zuschauer sieht das Glitzern der Blätter in unnatürlichen Sonnenlichtbrechungen. Soll heißen: Die Fantasie übernimmt an diesem Ort die Macht. Aber die Überwältigung und der inhaltliche Reichtum dieser Fantasien erreichen uns mit diesen Bildern nicht. Ein hilfloser Versuch ist es, kleine Wolken am Himmel sich plötzlich zu den Umrissen eines Kamels formen zu lassen. Wieso dieses Kamel, das irgendwie in der Luft hängen bleibt, und Warum so aufdringlich fantasielos?

Fahrig und oberflächlich wirkt vieles an diesem Film und vielleicht ist daran auch der Roman nicht ganz unschuldig. Die Geschichte spielt während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Simon ist ein von einem schwedischen Handwerkerehepaar adoptierter Junge, der einen deutschen Vater hat, der Jude ist. Von all dem weiß Simon nichts. Später, nach der Naziherrschaft, die Schweden nicht erreicht hat, macht er den Adoptiveltern Vorwürfe, dass sie nicht mit seinem Vater in Verbindung getreten sind und ihn vor der Naziverfolgung gerettet haben. Doch damals konnte man nicht wissen, ob die Nazis auch Schweden okkupieren werden.

 

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