Die Sprache als Brücke zu Polen
Matthias Kneip hat in fünfjähriger Arbeit ein Polnisch-Buch für Schulen auf den Weg gebracht.
Matthias Kneip in Polen Foto: privat
Von Susanne Wiedamann, MZ
Manche Dinge hält man für so selbstverständlich, dass man völlig überrascht ist, wenn sie als Neuheit auf den Markt kommen. Das erste Lehrbuch für Polnisch als Fremdsprache an Schulen ist so eine Sache. Fünf Jahre hat der Regensburger Matthias Kneip, Angestellter am Deutschen Polen-Institut Darmstadt, als Projektleiter die Entstehung des Lehrwerks „Witaj Polsko!“ betreut und auch selbst den landeskundlichen Sachteil beigesteuert. Nun liegen Band 1 und 2 und ein Grammatikbuch druckfrisch vor und werden demnächst von Kulturstaatsminister Bernd Neumann in Berlin hochoffiziell vorgestellt.
Bringschuld aus dem Vertrag
Dass der Kulturstaatsminister die Präsentation vornimmt, hat seinen Grund: „Im deutsch-polnischen Vertrag von 1991 steht, dass Deutschland die Förderung des Polnischunterrichts vorantreibt“, erklärt Matthias Kneip. Doch seit damals ist nicht viel passiert. 2002 trat die Bundesregierung an das Deutsche Polen-Institut mit der Bitte heran, etwas zu tun. „2003/2004 habe ich mich mit den Kultusministern der grenznahen Länder getroffen. Da kam klar heraus: Es fehlt ein Lehrbuch.“
Laut Kneip bewegt man sich bisher in einer Art Teufelskreis: Es gibt keine Nachfrage für Polnisch, somit keine für ein Lehrwerk, deshalb keine Lehrer – und daraus resultierend keine Nachfrage. Laut Kneip verhält es sich mit dem Tschechischen ganz ähnlich.
Lust und Interesse wecken
„Mein Ansatz ist: Man muss erst auf das Land neugierig machen, dann wächst auch das Interesse an der Sprache. Erst muss die Motivation geschaffen werden.“ Seit Jahren versucht Kneip, mit Vorträgen über die Literatur und Geschichte Polens das Interesse von Schülern für das Nachbarland zu wecken. Zu beiden Themen hat er Lehrwerke geschrieben. Rund 6000 Kilometer pro Monat verfährt der Autor, der beim Deutschen Polen-Institut die Bildungsarbeit als eine Hauptaufgabe hat, um Schülern Polen nahezubringen. Mit Erfolg: Einige Klassenfahrten und freiwillige Sprachkurse gingen auf seine Initiative zurück.
Mit „Witaj Polsko!“ liegt nun das erste am Lehrplan orientierte Schulbuch für die Sekundarstufen I und II vor. Doch wozu heute Polnisch lernen? Für Kneip keine Frage. Die Fremdsprache kann eine ausschlaggebende Qualifikation bei Bewerbungen sein und ermöglicht deshalb bessere berufliche Perspektiven. „Ein Schüler, der nicht schreibt, er könne Englisch, Französisch und Spanisch, sondern er könne Englisch, Französisch, Polnisch, hebt sich ab.“
„Witaj Polsko! Lehrwerk für Polnisch als Fremdsprache“, Universum Verlag Wiesbaden, Band 1 und 2 je 24,80 Euro, Grammatik 16,80 Euro, Audio-CDs 19,80 Euro


