Deutschland hat fette Jahre vor sich
Zwei Experten prophezeien uns eine glänzende Zukunft. Die Prognose ist gut begründet und daher werden sicher viele Leser gerne daran glauben.
2030 soll das Wohlstandsniveau in Deutschland im Vergleich mit den großen Wirtschaftsmächten am höchsten sein. Diese Prognose von Bert Rürup und Dirk Heilmann dürfte bei ihren Lesern gut ankommen.Foto: dpa
Das liest man gerne. Da wird behauptet, „dass Deutschland prädestiniert ist, in den nächsten 20 Jahren der große Gewinner unter den klassischen Industriestaaten zu werden.“ Es kommt noch besser: Die Buchautoren prophezeien, 2030 werde unter den großen Wirtschaftsmächten das Wohlstandsniveau in Deutschland am höchsten sein. Deutschland könne „das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in der G-7-Gruppe der großen Industriestaaten“ sein.
Die Experten Bert Rürup (einst Vorsitzender der „Wirtschaftsweisen“) und Dirk Heilmann (Chefökonom beim Handelsblatt) setzen einen kräftigen Kontrapunkt zum vorherrschenden Pessimismus über die Zukunft Deutschlands. Kurz zusammengefasst lautet ihre These: Unser Land hat seine Hausaufgaben gemacht. Nun können wir, wenn wir nicht übermütig werden, die Früchte unserer Arbeit einheimsen.
Wir erinnern uns: Deutschland galt nach der Jahrtausendwende bei vielen selbst ernannten Experten im In- und Ausland als der wirtschaftlich kranke Mann Europas. Da wurde über eine Basarökonomie geunkt und der unaufhaltsame Abstieg eines auf seinen Lorbeeren sich ausruhenden, erschlafften und verkrusteten Landes prognostiziert. Nun mitten in der großen Finanz- und Wirtschaftskrise steht Deutschland offensichtlich nicht so schlecht da – das ist nach Ansicht der Autoren von „Fette Jahre“ kein Zufall, sondern hart erkämpft und noch dazu erst der Anfang.
Lob für Kanzler der Modernisierung
Mehrere Gründe für diese Entwicklung führen Rürup und Heilmann an. Hohes Lob spenden sie dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder, der mit seiner Agenda 2010 „als Kanzler der wirtschaftlichen Modernisierung“ in Erinnerung bleiben werde. Dabei differenzieren die Autoren: Sie loben die Reformen auf dem Arbeitsmarkt und im Steuersystem, sie preisen den flexiblen Mittelstand und die innovativen Unternehmenslenker, sie würdigen auch die „überzeugende Krisenpolitik“ der großen Koalition von 2005 bis 2009 und weisen auf den entscheidenden Unterschied zu der einst viel gelobten rein neoliberalen Wirtschaftspolitik hin. „Deutschland hat nicht krampfhaft versucht, seine Wirtschaftsstruktur an die in den USA ausgerufene New Economy anzupassen, sondern ist seinen Weg des nachhaltigen Wachstums weitergegangen.“

