Barock: «Wo Tiger zu Hause sind»
Frankfurt. Für diesen Roman sollte man viel Zeit mitbringen, denn Jean-Marie Blas de Roblès «Wo Tiger zu Hause sind» ist immerhin fast 800 Seiten stark. Das ambitionierte Werk, das in Frankreich hoch gelobt und mit dem renommierten Prix de Medicis ausgezeichnet wurde, spielt in unterschiedlichen Welten und Zeiten.
Ein Erzählstrang führt zurück ins barocke 17. Jahrhundert. Der unterbeschäftigte Pressekorrespondent Eléazard von Wogau stößt in Brasilien durch Zufall auf die Biografie des Jesuiten Athanasius Kircher. Der Kirchenmann hat tatsächlich gelebt und war eine schillernde Erscheinung, interessierte er sich doch für so unterschiedliche Wissensgebiete wie Bakteriologie und Alchemie, Akustik und Astrologie. Neben dieser historischen Spurensuche ist in dem Roman aber auch immer wieder das aktuelle Brasilien mit seinen Umwelt-, Drogen- und Armutsproblemen präsent.
Ein Kaleidoskop praller Geschichten, die Jean-Marie Blas de Roblès kunstvoll miteinander verwebt und sprachgewaltig aufbereitet.
Jean-Marie Blas de Roblès: «Wo Tiger zu Hause sind», S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 793 Seiten, 26,99 Euro, ISBN 978-3-10-009641-8

