Hinreißend, absolut hinreißend
Ein grandioser Auftakt mitMendelssohns „Elias“
Ernteten Bravi und Standing Ovations: Domspatzen, Akademie für Alte Musik Berlin, Domkapellmeister Roland Büchner (rechts). Foto: altrofoto.de
Von Gerhard Heldt, MZ
Zum Auftakt der Tage Alter Musik trafen sich am Freitag in der ausverkauften Dreieinigkeitskirche die Regensburger Domspatzen und die Akademie für Alte Musik Berlin zum dritten Mal. Nach Barock (Johannes-Passion) und Klassik (Schöpfung) stand nun mit Mendelssohns Oratorium „Elias“ ein romantisches Werk auf dem Programm.
Domkapellmeister Roland Büchner hatte das Mammutwerk um den Propheten Jahwes ausgewählt, weil es seiner direkten Art zu musizieren sehr gut liegt – was die hinreißende Wiedergabe nachdrücklich belegte. Wie Büchner die dramatischen Spannungsbögen der vier Handlungsabschnitte baute, sie miteinander verband und ein Ganzes daraus schuf, sucht seinesgleichen: Mit der Akademie für Alte Musik Berlin stand seinem wieder einmal in allen Stimmen vorzüglich besetzten Chor ein hochrangiges Instrumentalensemble zur Seite, das perfekt mit dem durchsichtigen, dennoch kraftvoll zupackenden Chorklang harmonierte. Die Spannung zwischen dem alttestamentarisch mächtigen, strafenden Gott einerseits und dem vergebenden, gnädigen Jahwe andererseits war Ausgangspunkt für Büchners musikalische Deutung, die aus diesen Kontrasten Kraft für über zwei Stunden überaus spannungsgeladenen Musizierens schöpfte.
Wie die Vokalisten präsentierten die Instrumentalisten einen runden, flexiblen Klang, sorgfältigst phrasiert und artikuliert, bei den Sängern bis in die letzte Silbe textverständlich. Alle fügten sich Büchners am dramatischen, oft opernhaften Gestus des Werks orientierter Musizierhaltung ebenso wie seinen liebevoll ausmusizierten himmlisch schönen lyrischen Passagen.
Glockenrein mit Schmelz und Glanz
Die sängerische Qualität der Domspatzen in ihrer jetzigen Besetzung unterstrichen der ungenannt bleibende Solist „Knabe“ beim Regenwunder, die kleinen Favoritchöre im Doppelquartett „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ und im Terzett „Hebe deine Augen auf“ sowie die Soli im Quartett mit Chor „Seraphim standen über ihm“.



