Kultur 17.06.2008, 09:16 Uhr

„Infraschwarz“: Botschaften aus dunkelster Nacht

Schwärzer als schwarz: Zeichnungen von Klaus Holzmann bei Erdel

Holzmann ist Spezialist für die Nachtseite der Existenz. Foto: Galerie Erdel

Holzmann ist Spezialist für die Nachtseite der Existenz. Foto: Galerie Erdel

Von Helmut Hein, MZ

„Infraschwarz“ heißt die neue Ausstellung von Klaus Holzmann. Das soll wohl heißen: Schwärzer als schwarz. Nicht nur für unsere Augen unsichtbar wie das Infrarote, sondern jeder möglichen Wahrnehmung und Reflexion entzogen – außer der des Künstlers. Der Stift des Zeichners ist ein Seismograph. Er notiert fernste Impulse, die sich erst auf seinen Blättern zu Bildern verdichten, die sich aber nicht so ohne weiteres dechiffrieren lassen.

Panisch zerrissene Striche

Das Ich ist ein anderer, lautete das düstere Versprechen des vor-freudianischen Lyrikers Arthur Rimbaud. Es versteht sich nicht von selbst. Das Subjekt legt sich seine Welt zurecht, weil es dem fernen Regime des Unbewussten, aber auch der Mythen und Metaphern, der Träume und spontanen „Einfälle“ nicht schutzlos ausgesetzt sein will. Der Zensor gibt sich wohlklingende Namen: Wert, Norm, Sinn, Idee. Nur der Künstler ist so frei, sein Leben in ein Schlachtfeld zu verwandeln. Aber selbst der Künstler hält das entfesselte Treiben der nomadischen Triebe und Zeichen nicht immer aus. Dann will er nicht das „Gefäß Gottes“ sein, die Passage, durch die alles hindurch muss, auch wenn es durch diese Engführung zu gefährlichen Turbulenzen kommt, das passive Medium der beglückenden und der boshaften Musen, sondern ein Arbeiter, ein Handwerker, der alles im Griff hat.

Auch der Wiener Klaus Holzmann, in Schwer- und Wehmut versunken, der Bewohner eines alten Reichs, dessen Last er trägt und dessen Reichtum längst zersplittert ist, beharrt im Gespräch vor seinen Zeichnungen auf der Souveränität des Subjekts. Aber die helle Rede ist das eine – und die in-fraschwarzen, nachtmahrhaften Zeichnungen, die panischen zerrissenen Striche sind das andere. Die wahre Sprache, die, wie schon Herders und Goethes Lehrer, der „Magus im Norden“ Johann Georg Hamann wusste, unverständlich ist; eine Sonde, deren Ertrag man nicht immer schon in Händen hat.

 

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