„Ich glaub, ’ne Dame werd ich nie“
Barbara Schöneberger auf „Jetzt singt sie auch noch“-Tour
Mit stahlgestützter Korsage: Barbara SchönebergerFoto: altrofoto.de
Von Thomas Dietz, MZ
Man nehme reichlich von Allem: Eine schöne junge Frau, vor deren weicher Figur sich auch heute noch viele Männer in den Staub werfen würden. Groß und leuchtblond muss sie sein, mit schneeweißen Zähnen und großen Kulleraugen, mit denen sie ulkig und drollig dreinschauen kann. Humor, Mutterwitz und auch Selbstironie sollte sie praktisch im Übermaße haben, furchtlos- unbekümmert sein und eine Kodderschnauze wie nur was. Diese hochwertigen Zutaten bilden das Erfolgsrezept von Barbara Schöneberger. Dass sie damit im Fernsehen, wo sie deutlich besser wirkt als auf der Bühne, als Entertainerin, Conférencière und Talkmasterin Erfolg hat, wundert nicht.
Aber tragen all diese unbezweifelbaren Vorzüge auch einen ganzen Solo-Abend, live, open air und vor Publikum? „Jetzt singt sie auch noch“ heißt ihre 2008-Tour sympathisch-selbstironisch. Und da wird die Schönebergerin von ihren phänomenalen 16 Musikern – „The Berlin Pops Orchestra“ – emporgehoben. Im Thurn und Taxis-Schlosshof ging auch gleich dermaßen die Post ab, dass das Publikum sofort auftaute. Mit ihrem satten und vollen Sound, den exzellenten Background-Sängern Anja Krabbe und Joao Lourenzo Pedro, lieferte die Band, das Gefuchtel ihres Gastdirigenten Joris Bartsch Buhle souverän ignorierend, die beste Leistung des Abends.
Barbara Schöneberger selbst langweilt einen keine Sekunde. Man amüsiert sich durchaus, wenn sie Plaudereien über ihre üppigen Formen in engen, sich allmählich auflösenden Paillettenkleidern abperlt, über ihren falsch eingestellten Ohrstöpsel, über ihre hochgeschlitzten, den legendären Eartha-Kitt-Ausfallschritt gestattenden Kleider (den außer ihr nur noch Florian Silbereisen beherrscht). Sie plappert und verhaspelt sich gern und oft, sagt zu ihrem geigenden Joris: „Ich zerquatsch dir jedes Solo“. Und dazwischen singt sie auch noch – nicht ganz textsicher bei Cole Porters „Sei mal verliebt“, was dann wiederum erneut Anlass zum Geplapper bietet, ach, sie muss sich ja so viel merken, die Arme.
„Das bisschen Haushalt“
Die Musiknummern sind gut ausgesucht und passen vorzüglich auf sie, also auf das „Blonde Gift“: Von dem wunderbaren und von tiefer Wahrheit getragenen Chanson „Zu hässlich für München“, ihrem wirklich originellen Titelsong „Jetzt singt sie auch noch“, Eartha Kitts „Fredy“, „Das bisschen Haushalt“ oder dem Sinatra/Knef-Titel „Ich glaub, ’ne Dame werd ich nie“.
Spätestens bei Zarah Leanders „Nur nicht aus Liebe weinen“ merkt aber doch jeder, dass Schönebergers Musicalstimme enge Grenzen gesetzt sind, besonders in den höheren Lagen. Auch wagt sie bei diesem bewegenden Klassiker nicht mal den Versuch einer Interpretation. Sie singt halt nicht, sie performed. Egal. Es war trotzdem vergnüglich – dank der „Berlin Pops“.



