Schauriges vom Lande
Nepo Fitz eröffnet grandios „United Comedy“.
Nepo Fitz in der MälzeFoto: Jädicke
VON FLORA JÄDICKE, MZ
Sie toben, klatschen, pfeifen und jolen. Sie wollen ihn nicht gehen lassen. Nepo(muk) Fitz stellt bei der Eröffnung des 14. Thurn und Taxis Kleinkunstfestivals „United Comedy“ die Alte Mälzerei gründlich auf den Kopf. Schlachtenklänge dröhnen durch den Saal. Kaum eine Ritze ist noch frei. Mit verschränkten Armen steht er auf der Bühne. Im Dunkeln. Dann geht das Licht an. „So das war’s“.
Nicht ganz, denn er legt erst richtig los. Rotzfrech. Gerade mal 27 Jahre alt und ein ausgezeichnerter Musiker und Sänger. Einen Moment braucht er, bis er auf Touren ist und all die Fragen beantwortet, die man sich als Heranwachsender in Eggenfelden stellt. Zwischen chronisch kindischen Erzieherinnen und gewaltbereiten Hip Hopern auf dem „Real Parkplatz“. „Pimpftown – wie werde ich ein Mann“ ist sein erstes Soloprogramm. Und Fitz lässt keinen Zweifel aufkommen. Auf Rückenwind von Mutter Lisa Fitz kann er gut verzichten.
Seine Parodien von Rappern und hirnentleerten Fitnessmonstern sind gnadenlos direkt und zum Gruseln komisch. Man möchte all die kleinkarierten, beschränkten Kleinstadttypen, die er zwei Stunden lang aufs Korn nimmt, für reine Übertreibung halten. Für ausgemacht gute Schauspielerei. „Aber die gibt es wirklich“, sagt er. So entkommt er ihnen nirgends, auf seinem Weg zum Mann. Weder in der Kita, noch auf dem Realparkplatz oder bei der Wahl zwischen Sparkassenjob und „Fensterputzer bei Siemens“.
Da bleibt nur die Flucht nach Amerika. Nepo will Rockstar werden. Statt in New York landet er in einem 500- Seelen-Nest und bei der Erkenntnis: „Landleben ist überall gleich.“ Bisweilen schaurig. Wenn Typen mit Goldkettchen und „totgefärbte Blondinen“ die Überhand gewinnen. Aber immer zum Schießen komisch, wenn der Funke Wahrheit im Publikum zündet.
„Pimpftown“ ist temporeich, rücksichtslos und bestes Musikkabarett, preisgekrönt zudem: Passauer-Scharfrichterbeil, Erster beim Thurn-und-Taxis-Kleinkunstwettbewerb und nun auch der „Paulaner-Solo“. Wenn Nepo Fitz so weiter macht, gehört er bald zu den ganz Großen. Wirklich klasse!



