Kultur 17.03.2009, 18:39 Uhr

Weltrekordgeiger mit Kreuz, Schmuseblick, Dreitagebart

Fabelhaft: David Garrett, der „Beckham unter den Geigern“, im Audimax

Stargeiger David Garrett (28) Foto: Odeon-Concerte

Stargeiger David Garrett (28) Foto: Odeon-Concerte

Von Gerhard Heldt, MZ

Das Bergen Philharmonic Orchestra, wohl das nördlichste Orchester Europas, gastierte im ausverkauften Audimax bei den Odeon Konzerten. Es begleitete auch den jungen in den USA ausgebildeten Geiger David Garrett. Chefdirigent Andrew Litton eröffnete, für ein norwegisches Orchester naheliegend, den Abend mit Musik seines großen Landsmannes: Edvard Griegs 1. Suite zu „Peer Gynt“ op. 46. In den dem groß besetzten Streicherapparat vorbehaltenen Mittelsätzen „Aases Tod“ und „Anitras Tanz“ dominierten Melancholie, intime Trauer und schlichte Klage sowie schwelgerisches Aufblühen, dynamisch fein ausgearbeitet. Die Ecksätze kamen auf dunkler Bassgrundierung voll im Klang, im Schlusssatz bisweilen zu laut. Etwas mehr Agogik hätte gerade dem Tanzsatz gut angestanden.

Ein bezopfter Endzwanziger

Der zweite Programmteil brachte Igor Strawinskys Ballettmusik „Petruschka“ in der Originalfassung (1911). Das Klavier, dem ein gewichtiger Part zukommt, hatte es schwer, sich zu behaupten. (Den Namen des ausgezeichneten Pianisten erfuhr man im Programmheft leider nicht.) Die zwei Harfen kämpften gegen die Klangmassen des Orchesters und die Celesta. Das einleitende „Volksfest in der Fastnachtswoche“ sollte mit Holzbläserklängen von atmosphärischer Wirkung starten, die leider untergingen. Der Lannersche Ländler-Impetus des 3. Satzes lief ins Leere, zu sehr setzte der amerikanische Dirigent auf klanglich vordergründige Effekte.

Star des Abends war der Geiger David Garrett, der als Dressman unter den Geigern – bezopfter Endzwanziger mit Schmuseblick und Dreitagebart, Kette mit Kreuz auf nackter Brust unterm Hemd – beworben wird. Darüber vergessen die Agenturen sträflich, dass er nach einer Auszeit wieder ganz oben in der Weltspitze angekommen ist, wie seine Interpretation des viel gespielten 1. Violinkonzerts g-Moll op. 26 von Max Bruch zeigte, dessen romantische Grundhaltung er ohne jede Larmoyanz musizierte.

 

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