Magische Überhöhung eines Stadtbildes
Franz Joachim Braunmillers fotografischer Blick auf Regensburg
Franz Joachim Braunmillers Blick unter die Nibelungenbrücke Repro: Walter Baumgartner, fokus-digital
Von Harald Raab, MZ
Das Haus Heuport, das alte Stadtpalais vor der Westfassade des Domes, ist selbst ein lebendiges Denkmal großer bürgerlich-kaufmännischer Vergangenheit. Wer im dritten Stock aus dem Fenster blickt, ist mitten in der mittelalterlichen Altstadt und ihrer gewachsenen Urbanität. Von hier oben wird ein gelasseneres Weltbild einer Stadtgeschichte vermittelt, manifestiert in Architektur; Zeit und Raum haben eine andere Dimension. In dieser Flucht der Salons und Säle mit üppigen Stuckdecken spiegelt sich noch einmal, sehr modern, großformatig und in leuchtender Farbenpracht Regensburg: der reproduzierte Traum von Stadtkultur. Hier zeigt Franz Joachim Braunmiller seine fotografische Vision der Stadt Regensburg, technisch in höchster Perfektion, in barocker, üppiger Fülle.
Höchste Brillanz analoger Technik
Große Formate für ein großes Anliegen: Die Bilder sind bis zu 2,59 Meter breit und bis zu zwei Meter hoch. Im Computerzeitalter wird so etwas keineswegs als Wunder angesehen, digital gelingt das ja spielend. Doch was da in extremen Ausmaßen und in höchster Brillanz hängt, ist immer noch alte analoge Fotografie, mit mittel- und großformatigen Kameras und Plan- und Rollfilmen aufgenommen, lediglich per Rechner bearbeitet und ausgeplottet, keine auf Täuschung bedachte Montage. Alles ist bewusst überhöht und auf Überraschungseffekte aus – eine großartige fotografische Leistung. Ein Stadtbild wird zur Skulptur in dieser „Regensburg Zyklus“ betitelten Show der fotografischen Superlative.
Weit spannt sich der Bogen der Steinernen Brücke über das Blau der Donau. Eine überwältigende Sonne als Feuerball zwischen den Domtürmen. Ein blutroter Himmel über Regensburg. Der Dom als Monumentalskulptur. Enge Gassen, die nur einen schmalen Streifen Himmel freigeben. Der Haidplatz, der durch die Spiegelung in einer Schaufensterscheibe gedoppelt wird. Der Blick vom Dom auf die winterlichen Dächer der Stadt. Eine Graffiti-Wand, die wie ein von innen heraus beleuchteter Solitär in einer aufgebrochenen Hausruine strahlt.
Gewaltige fotografische Effekte
Franz Joachim Braunmiller, mit zahlreichen Fotopreisen ausgezeichnet, hat extreme Lichtbedingungen für die gewaltigen fotografischen Effekte gewählt. Nicht minder extrem die Perspektiven, der Einsatz von meist Weitwinkelobjektiven, nur ab und zu Tele. So platziert Braunmiller die Kamera nur wenige Zentimeter über dem Wasserspiegel der Donau, lässt Kanaldeckel zum Ausgangspunkt vom Blickwinkel werden und verwandelt das Brückengeländer der Steinernen Brücke zur breiten Einfallsstraße in die mittelalterliche Stadt. Langzeitbelichtung mobilisiert ungewöhnliche Effekte. Der Fotograf als Magier, der das Bild einer Stadt verzaubert, ausgeprintet mit Ultrachromer Pigmenttinte.
Noch bis September im Haus Heuport, Domplatz 7. Besichtigung nach Anmeldung: Tel. (0941) 55611 od. 33820



