Hartgesottene Helden in Düsseldorf
Horst Eckerts zehnter Krimi „Sprengkraft“ holt Al Qaida an den Rhein
Seit 1994 schreibt der mehrfach ausgezeichnete, in Düsseldorf lebende Horst Eckert Krimis. Foto: Archiv
Von Udo Feist, MZ
Islamistischer Terrorismus, Politikverdrossenheit und rechter Populismus sind Themen von Horst Eckerts neuestem Thriller „Sprengkraft“ (410 Seiten, 18.90 Euro). Der in Weiden in der Oberpfalz geborene und in Pressath aufgewachsene Schriftsteller widmet sich in seinem nun im Dortmunder Grafit-Verlag erschienenen Krimi der Terrorhysterie.
Schon mit Zwölf war Rafi Lieferkurier im Drogenbusiness seines älteren Bruders; gewandt, effektiv, weil strafunmündig. Die Polizei war machtlos. Moritz Lemke hatte da noch seinen Redakteursjob. Jetzt nimmt er auch windigste PR-Aufträge an, um Wohnung und Auto zu halten.
Über einen Baulöwen wird er Pressemann der Anti-Islamisierungs-Partei „Die Freiheitlichen“. „Pro NRW“ steht Pate. Vorsitzende ist eine frühere CDU-Bundestagsabgeordnete mit Motorradcharisma wie Landrätin Pauly. Über seine Rest-Grünen-Gewissensbisse hilft Lemke das Geld hinweg, erst recht, als eine Bombe in einer Moschee drei mutmaßliche Gotteskrieger in spe pulverisiert.
Die Geldkuh scheint für das Richtige einzustehen, da nun Al Quaida nach Kofferbombern und Sauerlandgruppe in Düsseldorf aktiv ist. Die Umfragewerte der „Freiheitlichen“ ziehen an. Der junge Marrokaner Rafi ist jetzt 19. Den Bart trägt er ungeschoren wie seine Freunde, mit denen er einschlägige Seiten absurft und endlich Gewichtiges für Allah und seinen Propheten vollbringen will.
Polizist Zander rollt die Ermordung seines Bruders neu auf. Vielleicht war es doch nicht der PKK-Stofflieferant, sondern der Maulwurf, der auch Zanders Team sprengte. Seiner Kollegin Anna ist das ebenso rätselhaft wie dem LKA-Mann, der sich mit dem Verfassungsschutz anlegt, denn die Moschee-Bombe zieht immer weitere Kreise, bis nach Berlin.
Als Welle schlagen sie über denen zusammen, die der bewährte Hardboiled-Schreiber Horst Eckert in Düsseldorf in flottem Wechsel aufmarschieren lässt. „Sprengkraft“ ist ein packender Thriller, der reale BRD-Nachrichtenlage mit Klischees, Stereotypen und Vorurteile verwirbelt, wie sie den banalen Alltag nun mal ausmachen.
Er tut das mit Gespür für Charaktere, Kolorit und grobem Pinselstrich, wo der nötig ist. Stoff für atemlose Lektüre, die schnörkellos intim in die Abgründe von Politik-, Medien-, Geheimdienst- und Polizeibetrieb blickt. Seinen Helden, die keine sind, möchte man alles Gute wünschen. Ob das nutzt, bleibt fraglich. Eckert erzählt gekonnt und ruppig, aber wahr.
Lesungen: Am 8.Juli, 20 Uhr, Vestn, Alte Schulgasse 31, Pressath, Karten-Tel. (09644) 8000; sowie am 10.Juli, 20 Uhr, Buchhandlung Volkert, Neustadt 6, Sulzbach-Rosenberg, Karten-Tel. (09661) 812373



