Kultur 01.06.2009, 18:35 Uhr

Überwältigende Strahlkraft des Chores

Glanzvoller Auftakt des weltweit hoch angesehenen Festivals

In der Alten Kapelle: die Regensburger Domspatzen und das L’Orfeo Barockorchester Foto: altrofoto.de

In der Alten Kapelle: die Regensburger Domspatzen und das L’Orfeo Barockorchester Foto: altrofoto.de

Von Gerhard Dietel, MZ

Am Anfang mussten sie sich gegen manchen Widerstand durchsetzen: die jungen Enthusiasten von „Pro Musica Antiqua“, die sich 1984 anschickten, in Regensburg „Tage Alter Musik“ zu veranstalten. Inzwischen, im 25. Jahr des Bestehens, ist aus dem damals von vielen Außenstehenden skeptisch betrachteten Impuls eine Erfolgsstory geworden: ein Festival, das dem Regensburger Kulturleben internationale Ausstrahlungskraft verleiht. Bezeichnend für die inzwischen erworbene Reputation: das Eröffnungs-Konzert in der „Alten Kapelle“ wurde diesmal nicht nur live im Radio übertragen, sondern auch vom Bayerischen Fernsehen mitgeschnitten.

Domspatzen in bestechender Form

Der Auftakt im hellen Scheinwerferlicht geriet auch musikalisch glanzvoll. Mozarts „Linzer Sinfonie“ verbreitete dem Jubiläumsanlass gemäß festliche Stimmung, auch wenn Mozart dem pompös inszenierten C-Dur-Jubel seiner Partitur immer wieder schmerzvoll chromatische Wendungen entgegensetzt. Bläserdominiert erklang die Sinfonie in der Interpretation durch das „L’Orfeo Barockorchester“, während der Streicherklang historischem Vorbild gemäß betont schlank blieb. Vom ersten Violinpult gab Konzertmeisterin Michi Gaigg die Impulse für einen Kopfsatz voller Brio und ein spritziges Finale, zu dem ein im Tempo zurückhaltend musiziertes Andante das Gegengewicht bildete. Hauptwerk des Abends war danach, unter der souveränen Leitung von Domkapellmeister Roland Büchner, der überdimensionale Torso von Mozarts c-Moll-Messe. Die Domspatzen, die den anspruchsvollen Chorpart übernahmen, präsentierten sich von den ersten kraftvoll intonierten Kyrie-Rufen an in bestechender Form.

Vorzügliche Solisten

Überwältigend war die Strahlkraft des Chorklangs selbst noch in den vielstimmig doppelchörigen Abschnitten, bewundernswert die lockere Beweglichkeit der Stimmen und die Konzentration aller Sänger in den vielfach verästelten Fugen-Sätzen.

In das vorzügliche Gesamtbild fügten sich die Solisten ein: der Tenor Robert Buckland und der Bass Manfred Bittner, beide selbst aus der Domspatzen-Talentschmiede hervorgegangen, durften ihr Können allerdings nur im Ensemble-Verbund mit den Frauenstimmen zeigen, denen Mozart mehr Freiheit zu solistischer Entfaltung einräumt. Die beiden Sopranistinnen zeigten sich den exorbitanten Anforderungen Mozarts, was Stimmumfang, Sprungsicherheit und Beweglichkeit betrifft, bestens gewachsen. Während man aber bei Siri Karoline Thornhill gelegentlich noch eine Spur von Anstrengung merkte, bestach Dorothee Mields mit einer schlackenlosen, in den Registern ganz ausgeglichen Gestaltung ihrer Partie, die die Ebene der Mühen hinter sich lassend ganz im Reich der Freiheit wohnte.

 

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