Heftige Gewitter zogen auch Donnerstagnacht wieder durch Deutschland. Foto: dpa
Berlin. Unwetter haben in der Nacht zum Freitag im Freistaat zu zum Teil erheblichen Schäden und Verkehrsbehinderungen geführt. Am Flughafen in Memmingen deckte eine Sturmböe das Dach eines Verwaltungsgebäudes ab und verursachte einen Schaden von rund 300.000 Euro. Wie ein Sprecher der Polizei in Kempten berichtete, krachte die rund 200 Quadratmeter große Dachfläche im nicht-öffentlichen Teil des Flughafens herunter. Sie stürzte auf mehrere Autos des Zolls.
In der Einsatzzentrale der Polizei in Kempten gingen während des Unwetters 150 Notrufe ein. Ein Blitzeinschlag in der Nähe des Kohlbergtunnels auf der Autobahn 96 löste mehrfach die automatische Tunnelsperre aus, ohne dass es eine Störung gab. Mehrere Bäume stürzten um. Im Raum Neu-Ulm, wo das Gewitter besonders stark wütete, musste eine Bundesstraße wegen Überflutung komplett gesperrt werden. Durch den starken Regen liefen zwei Unterführungen voll und zahlreiche Gullys über. Die Feuerwehren mussten rund 250-mal ausrücken. Verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand.
Hausbrände in Brennberg und München
Einschlagende Blitze sorgten im oberpfälzischen Brennberg (Landkreis Regensburg) und in München für Hausbrände. Mehrere Freiwillige Feuerwehren waren in Brennberg bis zum Morgen mit den Löscharbeiten an einem Einfamilienhaus beschäftigt. Der Dachboden des Hauses brannte völlig aus, auch das Obergeschoss wurde durch die Flammen angegriffen. Die Besitzerin des Hauses und ein Feuerwehrmann wurden leicht verletzt. Der Schaden am Gebäude wird auf rund 150.000 Euro geschätzt.
In München fing der Dachstuhl eines Einfamilienhauses Feuer. Die Bewohner, eine Familie mit einem Kleinkind, hörten einen heftigen Knall und der Strom fiel teilweise aus. Die Nachbarn entdeckten Flammen im Dachfirst und alarmierten die Bewohner sowie die Feuerwehr, die den Brand schnell unter Kontrolle brachte. In der Oberfpalz seien die Gewitter weitgehend glimpflich verlaufen, teilte die Polizei mit. Obwohl viel los war, habe es keine größeren Schäden gegeben.
Verspätungen am Frankfurter Flughafen
Reisende mussten wegen der Gewitter mit einigen Behinderungen zurecht kommen. Am Flughafen Frankfurt fielen nach Polizeiangaben 27 Flüge aus, 25 Maschinen wurden zu anderen Flughafen umgeleitet. Ein durch einen Blitzschlag umgestürzter Baum störte den Zugverkehr zwischen Essen und Bochum. Züge wurden teils über Gelsenkirchen umgeleitet, es gab Verspätungen.
Etwa 10.000 Euro Schaden entstanden in Mügeln im Norden Sachsen, als mehrere Bäume auf Autos stürzten. Niemand sei verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. „Die Autos waren leer.“ In Köln liefen mehrere Unterführungen voll Wasser, das die Feuerwehr abpumpen musste. In Kaiserslautern war eine Straße am Stadtrand mehrere Stunden gesperrt, weil eine Schlammlawine auf die Fahrbahn gespült worden war.
In Sachsen-Anhalt wurden Teile der Stadt Aschersleben überflutet. Die Kanalisation habe die starken Regenfälle nicht bewältigen können, sagte ein Sprecher der Polizei in Bernburg (Saale). Mehrere Keller seien vollgelaufen. Entlang der Bundesstraße 6n seien Böschungen abgerutscht. In Ilbersdorf wurde den Angaben zufolge ein Hochspannungsmast beschädigt.
Schäden an der Dortmunder Uni
In Dortmund blieb ein 67 Jahre alter Rentner mit seinem Auto in einer mehr als ein Meter hoch überfluteten Unterführung stecken. Er wurde von drei Jugendlichen gerettet, wie die Polizei mitteilte. An der Universität stürzten Teile einer Zwischendecke ein. Dabei sei niemand verletzt worden, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Feuerwehr habe Studenten gebeten, das Gebäude zu verlassen, den Strom abgestellt und Wasser aus dem Keller abgepumpt.
Heftige Gewitter zogen am Donnerstag auch über Thüringen hinweg. In Teilen Ostthüringens stürzten Bäume um, liefen Keller voll und wurden Straßen überschwemmt, wie die Polizei mitteilte. Im Raum Rudolstadt fiel zeitweise der Strom aus. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Leipzig kamen innerhalb von nur einer Stunde teils mehr als 30 Liter Regen vom Himmel.
Auch in den nächsten Tagen soll sich die Serie der Sommergewitter fortsetzen. Ein neues Frontensystem war aus Frankreich im Anmarsch. „Da könnte wieder einiges volllaufen“, sagte Karl-Heinz Nottrodt vom Wetterdienst Essen. Die Luft kühle sich vorerst kaum ab. „Deshalb kann es jederzeit wieder losgehen.“
Es bleibt sommerlich in Deutschland
Am Wochenende bleibt es sommerlich in Deutschland, aber ganz ungetrübt ist die Freude an Grillfesten und Badeausflügen nicht. Tief „Mina“ über den britischen Inseln schaufelt feuchtwarme Mittelmeerluft heran. Das bedeutet Schwüle und hohe Gewittergefahr. Wo die Gewitter genau zu erwarten sind, könne nicht vorhergesagt werden, sagte Meteorologe Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Freitag. Möglich sei, dass an einem Ort 50 Liter Regen in einer Stunde herunterprasseln und wenige Kilometer weiter gar nichts. „Das ist typisch für Sommergewitter.“
Grob lasse sich sagen, dass die Gewittergefahr am Samstag im Süden und in der Mitte besonders groß ist, am Sonntag ziehen die Unwetter von Westen auf. Örtlich sind Hagel, Sturm und Platzregen möglich. Dazu ist es warm mit Temperaturen zwischen 20 Grad im Norden und 28 Grad im Süden und Südosten.
Das Wasser in Seen und in Nord- und Ostsee hat sich inzwischen so weit erwärmt, dass in den Fluten angenehme Temperaturen herrschen: 20 bis 24 Grad meldet der DWD derzeit vom Wannsee in Berlin, dem Knappensee in Sachsen oder dem Steinhuder Meer in Niedersachsen. Im Bodensee können sich Schwimmer bei 22 Grad tummeln, an Nord- und Ostsee ist das Wasser 18 bis 20 Grad warm. Vor dem Baden raten die Meteorologen aber dringend zu einem Blick in den Himmel: Ziehen schwarze Gewitterwolken auf, sofort aus dem Wasser gehen. (dpa)