Sekte hält Kinder jahrelang unter der Erde
27 Kinder müssen in Russland jahrelang in einem unterirdischen Zellensystem ausharren. Ihre Eltern vertrauen einem Sektenchef, der seine Jünger von der Außenwelt abschottet.
Die Karte zeigt die Lage der russischen Stadt Kasan. Länger als ein Jahrzehnt haben in Russland 70 Mitglieder einer Sekte ohne Sonnenlicht und Heizung gelebt, darunter mehr als 20 Kinder. Grafik: dpa
Moskau. Mit 27 Kindern hat eine Sekte in Russland mehr als ein Jahrzehnt in einem unterirdischen Bunkersystem gelebt. Einige der Kinder im Alter von 18 Monaten bis 17 Jahren hätten Anzeichen von Blutarmut oder Tuberkulose, teilten die Behörden in der muslimisch geprägten Stadt Kasan an der Wolga mit. Mehrere Minderjährige hätten noch nie einen Arzt besucht. Ein 17-jähriges Mädchen sei schwanger. Festnahmen gab es zunächst nicht.
Sozialarbeiter hätten von ungeheuerlichen Verstößen gegen sanitäre Vorschriften berichtet. Die fensterlosen Wohnzellen im Keller und unter der Erde hätten einem Ameisenhaufen geähnelt. Es gab keine Heizung, die Kanalisation habe nicht funktioniert. „Die Kinder waren schmutzig und trugen Lumpen“, zitierte die Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ am Donnerstag Ärzte.
Insgesamt hätten etwa 70 Sektenmitglieder auf dem Grundstück gelebt, teilte die Pressestelle des Gouverneurs der Teilrepublik Tatarstan mit. Der über 80 Jahre alte Anführer Faisrachman Satarow sei schwer krank und rede wirr. Gegen ihn und seine erwachsenen Anhänger werde unter anderem wegen Kindesmisshandlung und Willkür ermittelt. Das illegal erbaute Haus solle abgerissen werden.
Eltern bekommen ihre Kinder erst nach einer Therapie zurück
Die Kinder kamen in Kliniken und sollen dann in Waisenhäusern betreut werden, wie der Kinderschutzbeauftragte der Regierung, Pawel Astachow, der Agentur Ria Nowosti sagte. Astachow forderte, die Eltern dürften ihre Kinder erst nach langer Therapie zurück erhalten. Satarows Anhänger drohen der „Komsomolskaja Prawda“ zufolge, den Weltuntergang heraufzubeschwören, falls ihnen die Behörden nicht ihre Kinder zurückgeben.
Die „Faisrachmanisten“ hätten sich bereits 2001 von der Außenwelt abgeschottet, schrieb das Blatt. Der Grund war angeblich durchaus weltlich: Die Gemeinschaft habe hohe Schulden gehabt.
Auf dem von Mauern umgebenen Gelände nahe einer Bahnstrecke steht Berichten zufolge eine Moschee. Zudem verfüge die Sekte über eigene Brunnen und sogar eine Dieselstation. Die Frauen hätten ihre Kinder auf dem Gelände geboren. Unterricht gab der selbst ernannte Prophet Satarow. Seine Anhänger durften - bis auf wenige Ausnahmen - das Gelände nicht verlassen und keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen.

