In diesem Bad wuschen sich Elisabeth F. und ihre drei mit eingesperrten Kinder.
Das Inzest-Drama von Amstetten hat Österreich über Nacht in den Brennpunkt des internationalen Medieninteresses gerückt. Mehrere hundert Journalisten aus aller Welt rückten am Montag in die kleine Bezirkshauptstadt ein, nachdem der Schock über die Verbrechen des 73-jährigen Josef Fritzl auch die entferntesten Winkel auf dem Globus erreicht hatte. Doch die volle Aufmerksamkeit der Weltpresse, die einige der Verantwortlichen zunächst mit unverhohlenem Stolz registrierten, zeigt nun ihre Schattenseiten.
Denn in den zahllosen Kommentaren und Analysen über die Untaten des Josef Fritzl kommt die Alpenrepublik plötzlich schlecht weg. Gerät der Ruf Österreichs als das Land der Berge und Seen in Gefahr, fragen nicht nur Tourismusmanager. Eine Horror-Vision für die Branche, wenn aus dem Land Mozarts, Haydns und der Habsburg-Monarchie auf einmal „Österreich das Land der Verliese“ würde, wie ausländische Zeitungen schrieben.
Glaubt man den Kommentatoren mancher ausländischer Blätter, so verkommt die Alpenrepublik - ähnlich wie vor Jahren Belgien - zunehmend zu einem Land der Kinderschänder und Kriminellen. Wie schon nach dem „Fall Natascha Kampusch“, den die Welt mit „ungläubigem Staunen“ und nicht selten bösen Kommentaren verfolgte, heißt es nun mehr denn je „typisch österreichisch“. Die meisten internationalen Medien kritisierten in den vergangenen Tagen Hand in Hand mit ihren österreichischen Kollegen vor allem die „Schlamperei“, die angebliche Gleichgültigkeit von Behörden und Nachbarn im Umgang mit dem Inzest- Fall. Doch zunehmend widmen sich die Kommentatoren nun auch einer Gesellschaft, die nach ihrer Ansicht den „Nährboden“ für diese fürchterlichen Verbrechen bilde.
So meinte die italienische „La Stampa“: „Serienmörder und Perversionen sind natürlich keine österreichische Exklusive.
Doch nur dort verbinden sie sich mit Walzer, Jodler und Kuckucksuhren. (...) In diesem Josef F., der sieben Kinder mit der Tochter gezeugt hat, die er vergewaltigte, steckt etwas (...) ungeheuerlich und einzigartig Österreichisches“. Die polnische Zeitung „Dziennik“ fragt: „Warum werden in Österreich solche Bestien geboren?“ Selbst der Züricher „Tagesanzeiger “ verallgemeinerte auf der Suche nach der Ursache des Verbrechens und fand die Antwort in gesellschaftlichen Verhältnissen des erzkonservativen und „erzkatholischen“ Agrarlandes Niederösterreich. Dort seien „Worte wie Zivilgesellschaft und Eigenverantwortung noch immer fremd. (...) Autorität werde in Niederösterreich „noch großgeschrieben, Hinterfragen klein“.
Das offizielle Österreich wurde ob solcher Bemerkungen so beunruhigt, dass selbst Bundespräsident Heinz Fischer es sich am Mittwoch nicht nehmen ließ, den Inzest-Fall von Amstetten zu kommentieren. „Es ist sicher nichts abgründig Österreichisches an diesem Fall“, beruhigte er seine Landsleute in einem Interview: „Das Monströse, zu dem der Mensch fähig ist, offenbart sich überall.“ Es genüge „ein Blick auf die weltweiten Horror-Schlagzeilen der vergangenen Jahre“.
Für die Marktforscherin Karin Cwritila dürfte das Imageproblem Österreichs nicht von Dauer sein. Letztlich sei es auch ein Problem der geringen Größe des Landes: „Von Amerika ist man (diese Gewalt) ja schon irgendwie gewöhnt“, sagte sie der Nachrichtenagentur APA vom Mittwoch unter Hinweis auf große Kriminalfälle. Österreich gelte dagegen als eher kleines Bergland und „Insel der Seligen mit einem Happy-Peppi-Image“. Natürlich tue das dem Image des Landes nicht gut, räumte sie ein. Doch am Ende werde sich das klassische Image Österreichs wiederherstellen. Und auch der Marktforscher Wolfgang Bachmayer ist davon überzeugt: Tradition und Gemütlichkeit - diese Vorstellungen über die Alpenrepublik seien sehr gut gefestigt.
Anders sieht es dagegen die konservative Zeitung „Die Presse“. Sie warnte am Mittwoch: „Es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis die Brücke zum Fall Waldheim und der österreichischen Opferrolle in der NS-Zeit (Wir haben nichts gewusst!) geschlagen wird. Ein paar Zitate von Thomas Bernhard und fertig ist das neoösterreichische Klischee.“
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