Panorama 30.04.2008, 18:22 Uhr

Fall Amstetten: Österreich fürchtet um seinen Ruf

In diesem Bad wuschen sich Elisabeth F. und ihre drei mit eingesperrten Kinder.

In diesem Bad wuschen sich Elisabeth F. und ihre drei mit eingesperrten Kinder.

Das Inzest-Drama von Amstetten hat Österreich über Nacht in den Brennpunkt des internationalen Medieninteresses gerückt. Mehrere hundert Journalisten aus aller Welt rückten am Montag in die kleine Bezirkshauptstadt ein, nachdem der Schock über die Verbrechen des 73-jährigen Josef Fritzl auch die entferntesten Winkel auf dem Globus erreicht hatte. Doch die volle Aufmerksamkeit der Weltpresse, die einige der Verantwortlichen zunächst mit unverhohlenem Stolz registrierten, zeigt nun ihre Schattenseiten.

Denn in den zahllosen Kommentaren und Analysen über die Untaten des Josef Fritzl kommt die Alpenrepublik plötzlich schlecht weg. Gerät der Ruf Österreichs als das Land der Berge und Seen in Gefahr, fragen nicht nur Tourismusmanager. Eine Horror-Vision für die Branche, wenn aus dem Land Mozarts, Haydns und der Habsburg-Monarchie auf einmal „Österreich das Land der Verliese“ würde, wie ausländische Zeitungen schrieben.

Glaubt man den Kommentatoren mancher ausländischer Blätter, so verkommt die Alpenrepublik - ähnlich wie vor Jahren Belgien - zunehmend zu einem Land der Kinderschänder und Kriminellen. Wie schon nach dem „Fall Natascha Kampusch“, den die Welt mit „ungläubigem Staunen“ und nicht selten bösen Kommentaren verfolgte, heißt es nun mehr denn je „typisch österreichisch“. Die meisten internationalen Medien kritisierten in den vergangenen Tagen Hand in Hand mit ihren österreichischen Kollegen vor allem die „Schlamperei“, die angebliche Gleichgültigkeit von Behörden und Nachbarn im Umgang mit dem Inzest- Fall. Doch zunehmend widmen sich die Kommentatoren nun auch einer Gesellschaft, die nach ihrer Ansicht den „Nährboden“ für diese fürchterlichen Verbrechen bilde.

So meinte die italienische „La Stampa“: „Serienmörder und Perversionen sind natürlich keine österreichische Exklusive.

 

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