Panorama 17.01.2010, 19:47 Uhr

Ein Algorithmus weist den Weg

Regensburger Forscher haben ein Rechenverfahren erfunden, das viele Probleme lösen könnte: von der Studienplatzvergabe bis zur Finanzkrise.

Welcher Weg führt am effektivsten zum Ziel? Mit dem neuen Algorithmus könnten Physiker Krebstherapien verbessern, Börsenanleger beraten und Firmen helfen, ihren CO2-Ausstoß zu senken. Foto: dpa

Welcher Weg führt am effektivsten zum Ziel? Mit dem neuen Algorithmus könnten Physiker Krebstherapien verbessern, Börsenanleger beraten und Firmen helfen, ihren CO2-Ausstoß zu senken. Foto: dpa

Von Antje Karbe, MZ

Regensburg . Haben Sie heute schon Ihren Physiker konsultiert? Wenn sie planen, Geld im großen Stil anzulegen, auf Ihren Traumstudienplatz hoffen oder die Abläufe in Ihrer Firma verbessern wollen: Die Experten aus der „Theoretischen Physik“ könnten helfen, solche Probleme zu lösen.

Oder besser, zu optimieren. „Wir nähern uns bestmöglichen Lösungen an“, sagt Dr. Johannes Schneider. Der Physiker aus Mainz hat dafür mit Regensburger Kollegen einen Algorithmus entwickelt. Das neue Rechenverfahren führte zu so erstaunlichen Ergebnissen, dass das US-Time-Magazin den Computer-Algorithmus unter die 50 wichtigsten Erfindungen des Jahres 2009 wählte. Hier steht er auf der Rankingliste mit einer NASA-Rakete und dem High-Tech-Schwimmanzug, den Paul Biedermann trug.

Wie Physiker optimieren

Mathematische Berechnungen erleichtern unseren Alltag auf viele Weisen. Schneider nennt die Navigationsgeräte in Autos. Nach nichts anderem als einem Algorithmus berechnen sie die beste Strecke für den Fahrer. Doch es gibt Unterschiede. „Ein besseres Gerät sucht nicht nur den kürzesten Weg, sondern bezieht andere Faktoren mit ein“, sagt der Physiker, „zum Beispiel, auf welcher Straße derzeit Staugefahr herrscht.“

Wo die Berechnung noch komplizierter wird, kommt die Physik ins Spiel. Schon länger verwenden Wissenschaftler „Optimierungsmethoden“, die einem physikalischem Prinzip entsprechen: Dem „simulierten Abkühlen“ eines Körpers. Kühlt man beispielsweise ein heißes Metallstück (der Physiker nennt dies „ungeordneten Festkörper“), wird ihm Energie entzogen. Es nähert sich seinem Grundzustand „minimaler Energie“ an. Die schönsten Strukturen bekommt man dabei durch langsames Senken der Temperatur – und nicht, indem man mit einem Schwung Wasser darüber gießt.

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