Panorama 03.06.2011, 11:36 Uhr

Erbgut des EHEC-Erregers entziffert

17 Deutsche starben durch EHEC. Das Bakterium weist eine neue Gen-Kombination auf. Russland stoppt die Gemüse-Einfuhr.

Der Bakteriologe Holger Rohde vom Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) zeigt auf einen Auszug des genetischen Codes (Genom) des EHEC-Erregers O104 in seinem Labor im UKE in Hamburg. Rohde und chinesische Experten haben das Erbgut des grassierenden EHEC-Bakteriums sequenziert.

Der Bakteriologe Holger Rohde vom Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) zeigt auf einen Auszug des genetischen Codes (Genom) des EHEC-Erregers O104 in seinem Labor im UKE in Hamburg. Rohde und chinesische Experten haben das Erbgut des grassierenden EHEC-Bakteriums sequenziert.

Berlin. Auf dem Weg zu einer Therapie gegen das gefährliche Darmbakterium EHEC haben Ärzte einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht. Sie kennen nun das Erbgut ihres Gegners und fahnden unter Hochdruck nach einem Angriffspunkt. Der Erreger grassiert in Deutschland weiter. Inzwischen zählen die Behörden 17 Todesfälle.

Experten am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) haben mit Hilfe chinesischer Kollegen das Genom des grassierenden Erregers gelesen. Bakteriologe Holger Rohde sagte am Donnerstag: „Es handelt sich um eine so noch nie gesehene Kombination von Genen.“

Allem Anschein nach haben dafür zwei Bakterien Teile ihrer Erbsubstanz miteinander ausgetauscht. In der Summe entstand ein Escherichia coli (E. coli)-Bakterium, welches das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS) auslösen kann, erläuterte Rohde.

Etwa 80 Prozent stammten vom E. coli-Stamm O104. Die übrigen 20 Prozent wurden von einem anderen Bakterium übernommenen. In diesem Teil des Genoms sind Erbanlagen zur Produktion des gefährlichen Shigella-Toxins, das den Patienten Probleme bereitet.

Schon 17 Todesfälle in Deutschland

Eine 81 Jahre alte Frau starb in der Nacht zum Donnerstag im UKE an den Folgen der Infektion, sagte Nierenspezialist Prof. Rolf Stahl. Im besonders betroffenen Hamburg ist es der dritte Todesfall.

Rund drei Wochen nach dem Auftreten der ersten EHEC-Fälle gibt es dort wie anderswo keine Entwarnung. „Bei uns ist die Lage nach wie vor angespannt“, sagte Prof. Jörg Debatin, UKE-Vorstandschef. Zur Zeit würden in der Klinik 102 Patienten mit dem HUS, einer schweren Komplikation, behandelt. Eine wachsende Zahl von EHEC-Infektionen verzeichnet nach wie vor Niedersachsen. Inzwischen liegen dort 414 Fälle und Verdachtsfälle vor.


 

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