Panorama 06.05.2012, 15:37 Uhr

Feuerball zerstörte den Mythos „Hindenburg“

Die Katastrophe vor 75 Jahren läutete das Ende des Zeppelin-Zeitalters ein. Der letzte überlebende Passagier erinnert sich.


        Bild der Katastrophe: Das Luftschiff LZ 129 „Hindenburg“ ging am 6. Mai 1937 in Lakehurst bei New York in Flammen auf. 35 Menschen starben.

Bild der Katastrophe: Das Luftschiff LZ 129 „Hindenburg“ ging am 6. Mai 1937 in Lakehurst bei New York in Flammen auf. 35 Menschen starben.

von Jörg Michel, MZ

New York. Es ist kurz vor dem Start der „Hindenburg“ auf dem Luftschiffhafen in Frankfurt am Main. Werner Doehner ist langweilig. Vor dem Jungen liegt eine lange Reise nach New York und so vertreibt er sich die Zeit mit einem kleinen Spielzeug-Panzer. Als er das Metallgefährt aufzieht, sprühen ein paar Funken aus dem Motor. „Der Chefsteward kam und hat das Spielzeug beschlagnahmt“, erinnert sich Werner Doehner. Sicher ist sicher. Schließlich ist das Luftschiff mit beinahe 200.000 Kubikmetern hoch entzündlichem Wasserstoff gefüllt.

Drei Tage später fängt die „Hindenburg“ Feuer. Es ist Donnerstag, der 6.Mai 1937, kurz vor halb sieben Uhr abends auf dem Flugplatz in Lakehurst bei New York. Das Wetter ist gewittrig und das Luftschiff will gerade landen. Auf einmal schießen Flammen aus dem Heck. Eine halbe Minute später liegt die „Hindenburg“ verkohlt am Boden. 35 der 97 Menschen an Bord sterben. Dazu ein Arbeiter der Landecrew. Es ist eines der bis dahin schwersten Unglücke der zivilen Luftfahrt und steht für das Ende einer Ära.

Der Stolz einer ganzen Nation

Denn die „Hindenburg“ ist mehr als nur der Zeppelin mit der Seriennummer LZ 129. Sie ist Mythos, Gigant der Lüfte, Sinnbild für die Unbezwingbarkeit der Technik, Stolz einer ganzen Nation. Mit 245 Metern Länge und 41Metern Durchmesser ist sie nicht nur das größte und luxuriöseste Luftschiff ihrer Zeit. Für die damals in Deutschland regierenden Nationalsozialisten ist sie auch ein beliebtes Propagandamittel. An den Heckflossen prangen Hakenkreuze, ihren ersten großen Auftritt hat sie 1936 im Wahlkampf Adolf Hitlers. Zur Eröffnung der Olympischen Spiele im selben Jahr schwebt sie majestätisch über dem Himmel von Berlin.

Werner Doehner, der Junge mit dem Spielzeug-Panzer, ist der letzte überlebende Passagier der Katastrophe. Doehner ist heute 83 Jahre alt und lebt in Colorado in den USA. Sein Gesicht ist noch immer gezeichnet von den Flammen. Nur selten äußert er sich zu dem Unglück. Doch er erinnert sich an jedes Detail. „Wir mussten vor der Abfahrt nicht nur den Spielzeug-Panzer sondern auch die Fotoapparate und Filmkameras abgeben“, berichtet er. Die Zeichen stehen bereits auf Krieg und die Nazis wollen verhindern, dass Aufnahmen deutscher Militäranlagen oder Schiffs-Konvois über den Atlantik gelangen.


 

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
 

Mittelbayerische.de Logo